Joachim Kuhs
Österreichische Soldaten erwarten in ihrer Stellung den nächsten Angriff der Italiener während der Isonzoschlacht Foto: Wikimedia/Gemeinfrei
Österreichische Soldaten erwarten in ihrer Stellung den nächsten Angriff der Italiener während der Isonzoschlacht Foto: Wikimedia Lizenz: Gemeinfrei https://bit.ly/3nZaIqA

Erster Weltkrieg
 

Nahkampf im Hochgebirge

Nachdem sie in der zweiten Isonzoschlacht ihre Reserven ins Feuer geworfen und hohe Verluste erlitten hatten, verzichteten die italienischen Generäle für einige Monate auf Offensivaktionen auf diesem Kriegsschauplatz des Ersten Weltkriegs. Das südeuropäische Königreich hatte in den Kämpfen gegen die Doppelmonarchie Österreich-Ungarn bereits hohe Verluste erlitten. Im Herbst 1915 ließen sie ihre Soldaten jedoch wieder zum Angriff antreten.

Bis Mitte Oktober 1915 zog Italien 24 Divisionen mit 1.372 Geschützen zusammen. Als Kampfraum für den angestrebten Durchbruch war die Region von Krn in Slowenien bis zur Adria vorgesehen. Zuvor hatte das verbündete Frankreich zu der Offensive gedrängt. Durch sie sollte der gemeinsame Mitstreiter Serbien entlastet werden, der zeitgleich von der Habsburgermonarchie und Bulgarien bedrängt wurde.

Wie an den erstarrten Fronten des Weltkrieges üblich, sollte ein stundenlanges Trommelfeuer die feindlichen Stellungen sturmreif schießen. Doch dem Nachrichtendienst der Habsburgermonarchie war das italienische Vorhaben nicht verborgen geblieben, und Überläufer hatten die Angriffspläne bestätigt. Dennoch konnten die Italiener bei ihren ersten Infanterievorstößen ab dem 18. Oktober zunächst Erfolge erzielen. So konnten die Alpini und Bersaglieri beispielsweise Gräben der Österreicher auf dem Monte San Michele besetzen.

Mit Handgranaten und Grabendolch

Der Berg besaß eine herausragende Bedeutung für diesen Abschnitt der Südfront. Daher setzten die österreichischen Befehlshaber um Svetozar Boroevic, der wegen seiner Abwehrerfolge den Beinamen „Löwe vom Isonzo“ erhielt, alles daran, ihn schnellstmöglich wieder unter ihre Kontrolle zu bekommen. Schließlich gelang die Rückeroberung sowie in den folgenden Tagen die Bereinigung italienischer Vorstöße in die eigenen Stellungen. Wiederholt wurden die Alpini von den österreichisch-ungarischen Gebirgstruppen und Landsturmeinheiten oft erst im Nahkampf zurückgeschlagen.

Geschützstellung im Hochgebirge an der Isonzofront Foto: picture alliance/APA/picturedesk.com
Geschützstellung im Hochgebirge an der Isonzofront Foto: picture alliance/APA/picturedesk.com

In der unwegsamen Bergwelt bedeutete jeder Rückzug für die geschlagenen Südeuropäer weitere schwere Verluste. Während sie zu ihren Gräben gelangen wollten, nahm der Feind sie unter MG-Feuer.

Zwar prägten die neuartigen Maschinengewehre an allen Fronten des Ersten Weltkrieges das Kampfgeschehen und veränderten die Taktiken, doch war der Feind erst in die Gräben eingedrungen, entbrannte auf engstem Raum der Nahkampf. Da bajonettbesetzte Gewehre sich dabei als zu sperrig erwiesen, setzten die Soldaten aller Nationen auf Pistolen und Handgranaten. Aber auch sogenannten Grabendolche und mit Stacheldraht umwickelte Keulen kamen zum Einsatz.

Italiens Armee eröffnete eine Woche später die vierte Isonzoschlacht

Bis Ende Oktober eroberten die Soldaten des österreichischen Kaisers Franz Joseph I. die zuvor verlorenen Stellungen wieder zurück. Trotz dieser Fehlschläge starteten die italienischen Befehlshaber Pietro Frugoni und Emanuel Philibert von Savoyen-Aosta, ein Cousin von König Viktor Emanuel III., weitere Attacken ab dem 1. November, unter anderem auf den Monte Sabatino. Zwei Tage später berannten die Italiener den Ort Podgora insgesamt sechsmal erfolglos. Das ihnen dort gegenüberstehende ungarische Infanterieregiment „Erzherzog Friedrich“ Nummer 52 schlug sie ein ums andere mal zurück und tötete rund 800 Feinde.

Als die dritte Isonzoschlacht am 3. November endete, mußte Italien 62.466 Mann als gefallen, verwundet, vermißt oder gefangen verzeichnen. Die erhofften Geländegewinne waren wieder einmal ausgeblieben. Aber auch die Donaumonarchie hatte viele Kämpfer verloren. Ihre Zahl lag bei rund 40.000.

Doch schon am 9. November trieb Italiens Oberbefehlshaber Luigi Cadorna seine Generäle an, erneut anzugreifen. Die vierte Isonzoschlacht ging als „Parlamentsschlacht“ in die italienische Geschichte ein. Denn die Regierung wollte kurz vor den anstehenden Wahlen unbedingt einen Erfolg verbuchen.

Parallelen zum Stellungskrieg der Westfront

Auch dieses Mal sollten die k.u.k. Truppen jedoch alle Hoffnungen der Angreifer zunichte machen. Als am 15. Dezember die Kämpfe verebbten, waren 7.000 Italiener tot, 34.500 verwundet und weitere 7.500 vermißt, aber die feindliche Front hatte standgehalten. Dafür hatten 4.000 Männer aus den Landen der Donaumonarchie ihr Leben gelassen. 17.000 hatten Verwundungen erlitten und 25.900 galten nach den Kämpfen als vermißt.

Nach den vier Niederlagen auf diesem Kriegsschauplatz sah das Königreich Italien bis zum März des kommenden Jahres von weiteren Großoffensiven ab. Ähnlich wie an der Westfront war auch an den Berghängen der Dolomiten der Frontverlauf erstarrt. Tausende Soldaten starben für geringe Geländegewinne, die oftmals schon beim ersten Gegenangriff wieder verloren gingen. Aus Mangel an taktischen Alternativen wichen die italienischen Kommandanten jedoch nicht von ihrem Vorgehen ab.

Österreichische Soldaten erwarten in ihrer Stellung den nächsten Angriff der Italiener während der Isonzoschlacht Foto: Wikimedia Lizenz: Gemeinfrei https://bit.ly/3nZaIqA
Probeabo JF 2021 Gratis lesen

Wenn Ihnen der Artikel gefallen hat: Unterstützen Sie die JF mit einer Spende.

Der nächste Beitrag

ähnliche Themen
aktuelles