Die Wiedervereinigung „kann kein reales Ziel“ sein

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Gerhard Schröder (2005): „Nicht über die Chancen einer Wiedervereinigung belügen“ Foto: Wikipedia/Creative Commons/A. Zahn

Wie wenig opportun es lange Zeit war, für die Wiedervereinigung zu plädieren, verrät ein Blick auf einige prominente Gegenstimmen, an die hier unkommentiert erinnert wird:

„Nach 40 Jahren Bundesrepublik sollte man eine neue Generation in Deutschland nicht über die Chancen einer Wiedervereinigung belügen. Es gibt sie nicht. Und es gibt wichtigere Fragen der deutschen Politik in Europa.“ (Gerhard Schröder, SPD, 12. Juni 1989)

„Die Lösung der deutschen Frage ist daher gegenwärtig nicht zu erreichen.“ (Von Generalsekretär Heiner Geißler am 18.2.1988 vorgestellter Entwurf für das CDU-Programm zur Deutschland-Politik)

„Herbeigeredeter Einheitswillen“

„Der Nationalstaat hat schon heute die Vernünftigkeit seiner Idee überlebt.“ (Oskar Lafontaine, damals SPD, 1988)

„Wir sollten das Wiedervereinigungsgebot aus der Präambel des Grundgesetzes streichen.“ (Joschka Fischer, Grüne, Juli 1989)

„Beklommen bis verschreckt nehmen unsere Nachbarn den rücksichtslos herbeigeredeten Einheitswillen der Deutschen zur Kenntnis.“ (Günter Grass, Schriftsteller, am 18.12.1989)

„Gerippe der deutschen Einheit“

„Eingedenken tut not und kein geschichtsferner Traum von einer Wieder-Vereinigung, die in Wahrheit, da es Auschwitz gab, undenkbar ist.“ (Walter Jens, Publizist, Juni 1990)

„Die Neuerrichtung eines großen deutschen Staates, noch dazu ’Wiedervereinigung`genannt, kann kein reales Ziel von deutschen Vorstellungen sein. … Der Appell des Grundgesetzes, das einschlägige Urteil von Karlsruhe, alle möglichen Schwüre zur deutschen Einheit – man lasse sie liegen, wo sie hingehören: in den Prozeßakten der Vergangenheit.“ (Leitartikel der Süddeutschen Zeitung im Jahr 1984)

„Wer heute das Gerippe der deutschen Einheit aus dem Schrank holt, kann alle anderen nur in Angst und Schrecken versetzen. … Es läßt sich deutschen Einheit auch in der Form der Zweistaatlichkeit denken.“ (Theo Sommer, Herausgeber der Zeit, im Jahr 1989)

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