Der Reichskonkursverwalter

Vor 25 Jahren, am 24. Dezember 1980 verstarb im Alter von 89 Jahren Großadmiral Karl Dönitz. Wie kaum eine andere Persönlichkeit der Zeitgeschichte spaltet Dönitz die Nation. Als Retter von mehr als zwei Millionen Menschen vor der Roten Armee genießt Dönitz bis heute Anerkennung, ja Verehrung und Dankbarkeit. Andere, wie der britische Marinehistoriker Peter Padfield sehen in ihm nur "des Teufels Admiral", – so der Untertitel seines Buches über Dönitz – der in Nürnberg als Kriegsverbrecher zu zehn Jahren Gefängnis verurteilt wurde. Wer also war dieser Mann?

Die Marine wurde mitten im Krieg völlig neu organisiert

Dönitz war Marineoffizier und damit Soldat. Er war nie etwas anderes. Seine Laufbahn nach seinem Einritt in die Kaiserliche Marine 1910 war erfolgreich aber nicht außergewöhnlich. Seine eigentliche Karriere begann erst 1939 mit seiner Ernennung zum Befehlshaber der U-Boote. Im Kampf um die atlantischen Seehandelsverbindungen während des Zweiten Weltkriegs, ohne die England nicht überleben konnte, ohne die es 1944 keine Invasion gegeben hätte, wurden die von Dönitz geschickt geführten U-Boot-Rudel zur gefährlichsten Waffe. Daher räumten die Alliierten der "Schlacht im Atlantik" erste Priorität ein, während die deutsche politische wie militärische Führung deren Bedeutung völlig unterschätzte.

Erst als Hitler den inzwischen zum Admiral avancierten Dönitz als Nachfolger von Erich Raeder am 30. Januar 1943 zum Oberbefehlshaber der Marine ernannte und zum Großadmiral beförderte, erhielten die U-Boote auch deutscherseits erste Priorität. Bereits in seinem Erlaß vom 5. Februar 1943 an alle Dienststellen des Oberkommandos ließ Dönitz keinen Zweifel daran, daß der Seekrieg künftig allein der U-Boot-Krieg sei. Nüchtern, sachlich und konsequent ging Dönitz daran, die Marine mitten im Kriege völlig neu zu organisieren: Verjüngung der Führungsspitze, Straffung des schwerfälligen Befehlsapparats, Entwicklung neuer U-Boot-Typen, Übertragung der Marinerüstung an Rüstungsminister Albert Speer. Da das alles nur mit Hitlers Zustimmung umzusetzen war, suchte Dönitz gezielt dessen Nähe. Das war konsequent und nicht Ausdruck eines weltanschaulichen Credos. Das Kriegsende hat dann allem ein Ende gesetzt.

Mit Jahresbeginn 1945 war der U-Boot-Krieg nicht mehr die Hauptaufgabe der Marine. Sie konzentrierte sich jetzt auf die Unterstützung der Ostfront sowie den Rücktransport von Flüchtlingen, Verwundeten und Soldaten aus dem Osten. In der Zeit vom 23. Januar 1945 bis in die Kapitulationstage des Mai 1945 gelang es Kriegsmarine und Handelsmarine, in einer gewaltigen Kraftanstrengung mehr als zwei Millionen Menschen nach dem Westen in Sicherheit zu bringen. Dieses war die größte Rettungsaktion über See in der Geschichte und stellt noch heute ein Ruhmesblatt in der Geschichte der Deutschen Kriegsmarine unter Führung von Dönitz dar.

Am 30. April 1945 bereitete Adolf Hitler im Bunker unter der Reichskanzlei im belagerten Berlin seinem Leben ein Ende. Vorher ernannte er noch anstelle des in Ungnade gefallenen Reichsmarschalls Hermann Göring Großadmiral Dönitz zu seinem Nachfolger. Darüber, was Hitler zu dieser Entscheidung bewegt hat, gibt es Spekulationen, aber keine endgültige Antwort. Dönitz blieb nur die undankbare Aufgabe, den Krieg zu beenden. Trotzdem wurde es für Dönitz die erfolgreichste Zeit seiner Laufbahn. In seiner Tätigkeit als Staatsoberhaupt ist er zudem bis heute völlig unumstritten. Unter dem Motto "Schluß machen, Heldenkampf ist genug gekämpft" machte sich Dönitz an die Arbeit. Er wußte, daß es zu der geforderten "bedingungslosen Kapitulation" keine Alternative gab. Aber Kapitulation würde das sofortige Ende der Transporte bedeuten. So versuchte Dönitz zunächst nur im Westen zu kapitulieren, den Kampf im Osten aber noch eine Zeitlang fortzusetzen.

Schon am 2. Mai 1945 gelang es, mit dem britischen Marschall Montgomery eine Teilkapitulation in Norddeutschland zu vereinbaren, die am 5. Mai 1945 in Kraft trat. Eine entsprechende Vereinbarung mit den Amerikanern kam nicht zustande. General Eisenhower bestand auf der Gesamtkapitulation der Wehrmacht, also auch gegenüber den Sowjets, die dann am 7. Mai 1945 in Eisenhowers Hauptquartier in Reims von Generaloberst Jodl unterzeichnet wurde – die Unterzeichnung in Berlin-Karlshorst bestätigte dies nur noch – und am 9. Mai 1945 um 00.01 Uhr in Kraft trat.

Admiral Chester W. Nimitz entlastet Dönitz in Nürnberg

Am 7. Mai 1946 begann vor dem von den Siegermächten eingesetzten "Internationalen Militär-Tribunal" in Nürnberg der Prozeß gegen Dönitz. Die Anklage warf ihm vor, einen unmenschlichen und verbrecherischen Seekrieg gegen die alliierten Handelsschiffe geführt zu haben. In dem viermonatigen Verfahren gelang es Dönitz Verteidiger, Flottenrichter Otto Kranzbühler, aber, die gegen Dönitz erhobenen Vorwürfe zu entkräften. Kranzbühlers stärkster Trumpf war die schriftliche Aussage des Oberbefehlshabers der US-Navy, Flottenadmiral Chester W. Nimitz. Er erklärte in einer eidesstattlichen Versicherung, daß die amerikanischen U-Boote vom ersten Kriegstag an japanische Handelsschiffe im Pazifik ohne jegliche Warnung angegriffen und keine Überlebenden gesunkener Schiffe gerettet hätten.

Trotzdem wurde Dönitz in den Punkten "Führung eines Angriffskrieges" und "Kriegsverbrechen" schuldig gesprochen und zu zehn Jahren Gefängnis verurteilt. Padfield schreibt dazu: "Es ist außerordentlich schwierig, wenn nicht gar unmöglich, anhand der Formulierung des Urteils zu entdecken, aus welchem Grunde diese Schuldsprüche gefällt wurden." US-Admiral Daniel V. Gallery, im Krieg Commander einer U-Jagdgruppe, schrieb später in seinen Kriegserinnerungen: "Der Schuldspruch gegen Dönitz war das herausragende Beispiel einer schamlosen Heuchelei."

Foto: Karl Dönitz vor dem Internationalen Militär-Tribunal in Nürnberg, Juni 1946: "Schluß machen, Heldenkampf ist genug gekämpft"

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