Neue Technologien: Kinder und Computerspiele

Immer wieder gibt es Hinweise dafür, daß Computerspiele Kinder aggressiv und gewalttätig machen. Die bisher größte Untersuchung zu dieser Frage hat jetzt der Kommunikationswissenschaftler Manuel Ladas an der Universität Münster vorgestellt. Sein Ergebnis: Computerspiele sind keine Gefahr, weil die Kinder den Unterschied zwischen Spiel und Realität deutlich erkennen. Schön wär’s ja, aber betrachtet man Ladas „wissenschaftliches“ Vorgehen, dann sträuben sich einem die Haare. Er hat über das Internet 2100 Kinder befragt, „warum sie welche Spiele nutzen, und welche Wirkung die Spiele auf sie haben“. Die meisten Kinder sagten aus, daß Gewalt auf dem Bildschirm bei ihnen „keine Ängste auslösen“ und die Opfer „wie Schießbudenfiguren auf dem Jahrmarkt“ nicht als real angesehen würden, daß es schließlich nur um Punkte in einem Spiel gehe. Welch eine Überraschung! Genausogut könnte man verhaftete Gewalttäter fragen, ob sie Spaß an Gewalt haben, und wenn sie das Gegenteil behaupten, die Gefängnistore öffnen. So ungefähr ist in manchen forensischen Fällen tatsächlich vorgegangen worden. Immer auf Rat irgendwelcher Fachleute, die angeblich über wissenschaftliche Methoden verfügen, das Risiko zu erkennen und einzugrenzen. Worin bestehen aber diese gelehrten Methoden? Wie bei dem Kommunikationswissenschaftler aus Münster bestehen sie darin, die Täter zu befragen, ihnen zu vertrauen und das als qualifiziertes Ergebnis zu verkaufen. Es gibt aber in Wahrheit – noch – keine Methode, in einen Menschen hineinzuschauen und seine inneren Motive zu erkunden. Es gibt leider nur die Erfahrungstatsache, daß Täter es gerne wiedertun und Kinder, die ihre Klassenkameraden abknallen wie Robert Steinhäuser in Erfurt, mit besonderer Leidenschaft auch auf dem Bildschirm wüteten. Durch Biologie und Tiefenpsychologie wissen wir heute, daß es eine moralische Schuld am falschen Verhalten nicht gibt. Gerade deshalb aber ist auf gute Vorsätze und sogar aufrichtig gemeinte Besserungsabsichten nicht viel zu geben. Die Behaviouristen haben sich entschlossen, die Seele des Menschen als eine „Black Box“ anzusehen, in die hineinzublicken unmöglich ist. Ganz so einfach ist es aber nicht. Die Psychologie hat eine Reihe interessanter Hypothesen aufgestellt, was sich in einem Menschen abspielt, ohne daß er selber es weiß und durchschaut. Diese Theorien können eine Reihe von Verhaltensweisen erklären, die sonst unerklärlich sind, wie Zwänge, allgemeine Angstzustände oder eben sinnlose Gewalttaten. Das ist zwar keine Wissenschaft im Sinne von Physik und Chemie, aber eine hohe Kunst. Und solange wir nicht biochemisch in den Menschen hineinsehen können, bleibt die Tiefenpsychologie das einzige Mittel, was wir haben. Massenbefragungen hingegen bringen nichts als den Schein wissenschaftlicher Tätigkeit gepaart mit banalen und oberflächlichen Weisheiten.

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