Windräder zwischen Elchen

Laut einer Studie der Deutschen Bank ist Deutschland derzeit mit einem Anteil von 28 Prozent an der global installierten Windleistung bereits führend in der Herstellung von Strom durch Windenergie. Doch die dank staatlich initiierter Förderung wie Pilze aus dem Boden sprießenden Windräder liefern ihre Energie unregelmäßig. Praktikable Stromspeichertechniken stehen noch nicht zur Verfügung. Um gefährliche Netzschwankungen auszugleichen sind Vorhaltekapazitäten in Kohle- oder Atomkraftwerken nötig (JF 38/06). Der Windenergieanteil in Deutschland ist daher mit fünf Prozent (2007) gering und für energieintensive Industrieprozesse noch keine Alternative. Großprojekt in Schweden verdoppelt Windkraftenergie Ganz anders ist dies in Schweden. Mit 9,2 Millionen Einwohnern gehört das Königreich zu den am dünnsten besiedelten europäischen Nationen. Es liegt aber mit 3.600 Kilogramm TÖGW (Tonnen-Öl-Gleichwert/Stand 2006) im Pro-Kopf-Energieverbrauch um 20 Prozent höher als Deutschland und gehört so zu den Spitzenverbrauchern im EU-Vergleich. Wegen der unterschiedlichen Energieressourcen in den einzelnen Mitgliedsstaaten ist mit dem TÖGW ein rechnerischer Vergleichswert festgelegt worden, der auf dem Heizwert von Erdöl beruht. Die schwedische Regierung hat zudem verkündet, bis 2020 eine vom Erdöl unabhängige Eigenenergieversorgung zu bewerkstelligen. Die Voraussetzungen hierfür sind in dem skandinavischen Land wesentlich günstiger als in Deutschland. Hat man doch bereits schon heute im Norden des Landes den Energiebedarf mit 50 Prozent Wasserkraft abgedeckt. Die Svenska Cellulosa Aktiebolaget (SCA), ein führendes europäisches Unternehmen der Papier- und Forstwirtschaft (Marken Zewa, Tempo), hat jetzt in Kooperation mit dem norwegischen Energiekonzern Statkraft ein Windkraft-Projekt beschlossen, das mit einer Investition von 1,5 Milliarden Euro stufenweise von 2009 bis 2014 verwirklicht werden soll. Durch die wegen Überkapazitäten schon länger anhaltende weltweite Rezession in der Papierindustrie suchen die führenden Papierunternehmen einerseits neue Marktfelder. Andererseits ist man auch in Schweden wegen der energieintensiven Produktionsprozesse gezwungen, eine größere Unabhängigkeit von den großen Energieunternehmen zu finden. Die SCA verfügt über großen Grünlandbesitz. Deswegen bot sich dieses Konzept mit dem norwegischen Energiepartner geradezu an. In das für diesen Zweck neu gegründete Gemeinschaftsunternehmen Statkraft SCA Wind AB wird der norwegische Energiekonzern das erforderliche Kapital und Fachwissen einbringen, während die SCA die Grünlandareale zur Verfügung stellt. Die Firmenanteile teilen sich zu 60 Prozent Statkraft und zu 40 Prozent die SCA. Die dahintersteckende Strategie lautet für die SCA, nicht nur für neu geplante Produktionslinien eine autarke Energieversorgung anzustreben, sondern sich auch zusätzlich am zukunftsträchtigen alternativen Energiegeschäft zu beteiligen. Das Projekt umfaßt 400 Windmühlen für sieben Standorte im strukturarmen Nordosten Schwedens, die nach umweltfreundlichen Gesichtspunkten in wildarmen Gebieten fernab jeglicher Zivilisation ausgesucht wurden. Um für eine gute Energieleistung den geographischen Verhältnissen an den einzelnen Standorten gerecht zu werden, wurden mit 100 Metern überdurchschnittlich hohe Windmühlentürme und Rotorflügel von 50 Metern Länge ausgewählt. Jede Windmühle hat eine Leistung von drei Megawatt. Die Windmühlen werden importiert, ihr Transport ist bei einem Gewicht der Gehäuseteile von 70 bis 100 Tonnen eine besondere logistische Herausforderung. Da Hubschrauberanlieferung zu teuer ist, hat sich das Unternehmen für den Schienen- und Schwertransport mit Spezialfahrzeugen entschieden. Mit Abschluß des Projektes wird eine jährliche Energieleistung von 2,8 Terawattstunden (entspricht 2,8 Milliarden kWh) in Betrieb gehen, was mehr als dem Doppelten der heute in Schweden installierten Windkraft entspricht. Kombination verschiedener alternativer Energieerzeuger Sind solche Projekte auch für Deutschland möglich? Sicher ist in unserem dicht besiedelten Land die Standortwahl schwieriger zu bewerkstelligen. Außerdem ist die Leistung stark von den Windverhältnissen abhängig. Die Kombination verschiedener alternativer Energieerzeugungen, wie etwa die in Österreich vorhandenen Pumpspeicher für den Nacht- oder Wochenend-Betrieb, oder wie das innovative mit Windkraft kombinierte Hybridkraftwerk in der Uckermark sind aber echte Alternativen. Geplant sind auch größere Projekte auf See (off-shore). Durch die Banken- und Weltfinanzkrise wird die Finanzierung höchstwahrscheinlich noch schwieriger werden. Deshalb sind Kooperationsmodelle wie das schwedische Beispiel eine interessante Möglichkeit. Auch unsere energieintensiven Industrien, die bekanntlich 25 Prozent des gesamten Energiebedarfs benötigen (JF 33/08), hätten hier die Chance, sich von den heute dominierenden Energieunternehmen weiter abzukoppeln. Denn der Erdölpreis wird nur kurzfristig um die 50-Dollar-Marke pendeln. „Nach unserer Einschätzung ist die Zeit des reichlich und sicher verfügbaren sowie überaus billigen Erdöls Historie“, heißt es in einer Studie von Deutsche Bank Research. „Die Nachfrage nach Öl und anderen Energiequellen wird so lange weiter steigen, wie die Weltbevölkerung in ähnlichem Tempo wächst wie in den letzten hundert Jahren.“ Hinsichtlich der Versorgungssicherheit bereiteten auf mittlere Sicht die Energierohstoffe die meisten Sorgen: „Zuerst Erdöl, etwas später Erdgas, längerfristig aber auch Steinkohle“, heißt es in der Studie. Die Studien von Deutsche Bank Research stehen im Internet: www.dbresearch.de

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