Massenproduktion in der Sackgasse

Unsere Landwirtschaft wird subventioniert. Dahinter steckt nicht nur der Gedanke, Bauern für Wahlen bei Laune zu halten, sondern die in den Hungersnöten der vergangenen Jahrhunderte gemachte Erfahrung, in Deutschland die Grundversorgung an Lebensmitteln in eigenen Händen zu haben, um nie wieder der Willkür des Auslandes ausgeliefert zu sein. Was ist das Deutschland und der EU wert? Was konkret die Milch anbelangt, kann diese hierzulande nicht zu Marktpreisen von 20 Cent je Liter kostendeckend produziert werden. Deshalb mußte letzte Woche ein „Ernährungsgipfel“ her. Wichtigstes Ergebnis: Die Auszahlung von EU-Subventionen für die deutschen Bauern in Höhe von 2,8 Milliarden Euro soll auf den Herbst vorgezogen werden. Zwar gibt es schon einen Milchfonds von 90 Millionen Euro, doch weitere Maßnahmen waren bislang nicht geplant.

Das Grundproblem bleibt, daß in der EU etwa 15 Prozent zuviel Milch produziert wird. Warum aber soviel Milch produzieren und mit Subventionen abstützen? Wäre es nicht besser, man würde weniger Milch produzieren, dafür aber unter besseren ökologischen und tierschutzethischen Standards? Dann hätten Ausgaben einen konkreten Sinn und würden nicht auf eine Abwrackprämie für die Milchwirtschaft hinauslaufen. Ein Blick in die Supermärkte zeigt: Dort stehen palettenweise billige Milchkartons zum Verkauf, während sich die Bio-Milch als Nischenprodukt ausnimmt. Was wir brauchen, ist politische Phantasie, um von der Quantität zur Qualität vorzudringen, wobei letztere sogar arbeitsintensiver ist. Politik darf sich nicht im Verteilen von Subventionen erschöpfen, sondern muß zukunftsweisende Strategien vorweisen. Wozu gibt es denn die vielen gutbezahlten Berater?

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