Joachim Kuhs

 

Im Kampf gegen Windmühlen

Auch wenn die jüngsten Börsennotierungen anderes suggerieren – Erdöl wird ein knappes Gut. Alternativen bleiben gefragt. Schon 1985 prämierte eine bekannte Zigarettenmarke ein von Ernst Bayer entwickeltes Verfahren, mit dem laut Anzeige in einer damaligen Ausgabe von P.M. „das Erdöl der Zukunft“ aus der „Kläranlage“ kommen werde. Aus den 30 Millionen Tonnen organischer Substanzen in Kläranlagen und auf Müllhalden könne Öl gewonnen werden. Damit ließen sich sechs Prozent unseres Ölbedarfs decken. Nun muß von der Erfindung bis zur kommerziellen Umsetzung Zeit vergehen, bisher immerhin 24 Jahre. Heute wird in großem Stil Öl aus Pflanzen gewonnen. Allerdings geschieht das meist nicht einmal CO2-neutral, weil dafür Regenwald vernichtet wird. „Pack den Klärschlamm in den Tank“ klingt auch heute noch nach Zukunftsmusik. Aber aus Plastik- und Bioabfällen wird inzwischen schon kommerziell Öl gewonnen. Doch dessen Anteil am gesamten Öleinsatz ist noch immer verschwindend gering. Der Fortschritt kommt in diesem Bereich nur langsam voran, so leicht ist der Ausstieg aus dem fossilen Zeitalter also nicht, aber es wird weiter daran gearbeitet. Milliarden von zivilisatorisch anspruchsvoll lebenden Menschen mit Energie zu versorgen, ist eben keine Kleinigkeit. Sparsamkeit bleibt wichtig. Innovationen bringen Energieeffizienzsteigerungen. Aber wenn dafür die Autos immer größer und die Elektrogeräte im Haushalt vermehrt werden, verpufft auch dieser Effekt zu einem guten Teil. Im globalen Maßstab steigen Megastaaten wie China und Indien trotz Weltwirtschaftskrise in die Industriewirtschaft ein. Der Einsatz für die Energiezukunft der Menschheit gleicht daher einem Kampf gegen Windmühlen.

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