Markus Krall Freiheit oder Untergang

 

Obamas Dilemma

Der künftige Präsident Barack Obama steht von Beginn seiner Amtszeit an in dem unauflöslichen Dilemma, sowohl die US-Konjunktur retten und für den Erhalt der Arbeitsplätze kämpfen und zugleich die seit langem wacklige Position des US-Dollar an den internationalen Finanzmärkten stärken zu müssen. Ersteres verlangt neues und billiges Geld, um die angeschlagene US-Finanz- und Realwirtschaft zu konsolidieren, letzteres einen kräftigen Zinsanstieg für den US-Dollar. Denn die weltweiten US-Dollar-Anleger und -Halter müssen für ihre Vermögensverluste einen Ausgleich erhalten – oder sie wenden sich von der US-Währung als sicherem Hafen und letzten Notgroschen ab und gehen zu anderen Vermögensspeichern über: Gold, Euro oder Schweizer Franken. Die US-Volkswirtschaft ist auf den Erhalt der weltweiten „Dollarisierung“ angewiesen, denn ohne massiven Kapitalimport kann sie weder die nächsten Jahre überleben noch den Weg aus der Talsohle finden. Nur beides gleichzeitig geht nicht. Zinssenkung und Zinserhöhung schließen sich aus. Der neue Messias im Weißen Haus und seine Wirtschaftsapostel müssen sich etwas Neues einfallen lassen. Es könnte das alte, unter Präsident Franklin D. Roosevelt in den dreißiger Jahren des vorigen Jahrhunderts erprobte Rezept sein, den Staat selber als Finanzier auftreten zu lassen und damit den Kapitalismus ohne Kapitalisten zu betreiben. Die Bankiersrolle ginge auf den Staat über – auch wenn er sich dafür (noch) stärker verschulden müßte. Würden dadurch die USA rasch und ohne schwere Blessuren die Krise überwinden, nicht nur das amerikanische Volk würde es seinem neuen Präsidenten danken, sondern die gesamte krisengeschüttelte Welt. Die USA blieben ihr als Partner und kauffreudiger Exportmarkt erhalten.

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