Gelber statt grüner Rand

Die Commerzbank erwirbt für fast zehn Milliarden Euro 60 Prozent der Dresdener-Bank-Aktien. Der bisherige Großaktionär Allianz erhält im Gegenzug 30 Prozent an der neuen Großbank. Damit wird diese Zweite im Land, denn den ersten Platz belegt weiter die Deutsche Bank. Am Zwergenstatus der deutschen Banken ändert sich dadurch nichts — im internationalen Vergleich rangiert die Deutsche Bank an 25. Stelle. Trotzdem jubelt die Politik, weil ein Verkauf ins ungeliebte Ausland (China) abgewehrt wurde. Die Fachpresse ist begeistert, weil sie für eine unternehmerische Großtat hält, was in Wahrheit nur die Bereinigung einer Fehlinvestition durch möglicherweise die nächste sein wird. Bereits der Einstieg der Allianz ins Bankgeschäft für 24 Milliarden Euro war ein Flop. Weder der Policenverkauf über den Banktresen noch der Großeinstieg ins Anlagengeschäft schlugen ein. Dazu kamen die durch die Finanzkrise verstärkten Verluste der Tochter. Dementsprechend skeptisch reagieren jetzt Kunden, Publikum und Börse auf den Deal. Die Kurse brachen ein, die Aktionäre als Alleinentscheider hatte man vorsichtshalber zuvor nicht befragt. Sie dürfen ihr Jawort zu den Manager-Beschlüssen auf einer Sondersitzung nächstes Frühjahr nachliefern. Nicht auszudenken, was geschieht, wenn sie es verweigern. Aktionärsdemokratie, Bankenwettbewerb und Kundenfreundlichkeit, von denen die Branche so gerne redet, sehen anders aus! Und die Belegschaft? Sie bezahlt das Geschäft mit annähernd 10.000 Arbeitsplätzen. Chinas Gelb verbunden mit deutschem Bank-Know-how hätte die internationale Finanzwelt weit mehr beeindruckt und die deutsche Volkswirtschaft weniger Human-Kapital gekostet als die jetzt mit gelbem (statt grünem) Rand verschickten Bankformulare.

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