Birgs Irrtum

Herwig Birg unterschied in der FAZ vom 28. Juni unter der Überschrift „Unser Verschwinden würde gar nicht auffallen“ zwischen Fach- und Gelegenheitsdemographie. Dabei bietet der Bevölkerungswissenschaftler „Legenden“ auf, mit denen er aufräumen will wie: „Es ist nicht schlimm, daß die Bevölkerungszahl in Deutschland schrumpft, weil zum Beispiel die Umwelt davon profitiert.“ Sagt Birg damit etwas darüber aus, ob die Bevölkerungsdichte ein ökologischer Faktor ist? Nein, er behauptet nur: „Besorgniserregend ist nicht in erster Linie die Schrumpfung der Gesamtbevölkerung, sondern die Scheren-Entwicklung zwischen der stark wachsenden Zahl der älteren und der gleichzeitig schrumpfenden Zahl der mittleren und jüngeren Altersgruppen.“ Auf die ökologischen Auswirkungen geht Birg nicht ein, sondern spricht nur von einer „Legende“. Hat man Birgs Text gekürzt? Wohl kaum. Nein, die Suggestion ist kein Zufall. Vielmehr hebt Birg weiter darauf ab, daß 2070 die Weltbevölkerung wieder schrumpft – also bis auf neun Milliarden anwächst und es dabei materiell wie in Deutschland zugeht, als werde damit alles gut. Der Bonner Ökonom Meinhard Miegel spricht diesbezüglich in „Epochenwende“ von „globussprengenden“ Vorgängen, weil das Natur und Ressourcen überfordern muß. Man kann das Schrumpfen der Bevölkerung Deutschlands beklagen, aber die Wirklichkeit so hindrehen, daß es „paßt“, zeugt bestenfalls von einer verengten Perspektive. Am 15. Juli erschien vermutlich zur Ehrenrettung der FAZ ein kritischer Leserbrief des Münchner Mathematikprofessors Dietrich Schwägerl unter der Überschrift „Grotesker Irrtum“. Also, kein Hochmut bitte.

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