Joachim Kuhs

 

Graurobben in Hinterpommern

Noch Ende des 19. Jahrhunderts lebten an der Südküste der Ostsee, die größtenteils zu Pommern gehörte, etwa tausend Graurobben. Doch die Fischer sahen in den Tieren eine unliebsame Konkurrenz und rotteten sie mit offizieller Genehmigung restlos aus. Die preußischen Behörden zahlten sogar eine Prämie pro abgeschlachteter Robbe. Nach einem leider so finsteren Kapitel in der Geschichte Pommerns ist es um so erfreulicher, daß gegenwärtig in einem von der Universität Danzig begleiteten Projekt wieder die ersten zehn Jungrobben ausgesetzt wurden – in dem 1967 gegründeten und zwischen Rowe (Rowy) und Leba gelegenen Nationalpark Slowinski. Aber auch heute bleiben die freilebenden Flossenfüßer umstritten. Die Fischer sind nicht begeistert, aber was sollen da die Skandinavier erst sagen, an deren Ostseeküsten 17.000 Robben leben? Eine wirkliche Gefahr sind hingegen die Fischer für die Robben, da sie sich in Netzen verfangen und dann verenden können, wie der Initiator und Projektleiter Krzysztof Skóra in der Zeitung L’Alsace vom 22. Juli 2005 zu bedenken gibt. Ansonsten hätten die Robben gute Überlebenschancen, wenn sie nur auf ihren Instinkt vertrauen. Die Touristikbranche unterdessen befürchtet, Badeurlauber könnten gestört werden. Der Slowinski-Park hat eine Länge von 32,5 Kilometer. Ein paar Robben würden die Badegäste nicht stören, gibt Skóra zu bedenken. Von Europas größter Dünenlandschaft in Hinterpommern fühlen sich zahlreiche Touristen angezogen; da könnte es schon passieren, daß sie zu ihrer Überraschung auf eine Robbe stoßen und denken, sie sei ans Land gespült worden, um sie wieder ins Meer zu rollen. Doch das macht man nur mit Walen.

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