Superwahljahr

 

Sanierung statt Neubau

Der sächsische Umweltminister plant, künftig für jede neugebaute Straße im Nahbereich eine alte abzureißen zu lassen. Auf diese Weise solle die fortschreitende Bodenversiegelung eingedämmt werden, erklärte Steffen Flath in der Sächsischen Zeitung. Täglich würden im Freistaat acht Hektar Boden (entspricht 14 Fußballfeldern) neu versiegelt. Mit über 1,5 Prozent zusätzlich bebauter Fläche pro Jahr liege Sachsen an der Spitze aller Bundesländer, klagte der CDU-Minister. Fehlende Sicker- und Überflutungsflächen waren schließlich ein Grund dafür, daß die Elbe-Flut 2002 so verheerend war. Und Flath hat im Prinzip recht – deutschlandweit sind es sogar schätzungsweise 170 Fußballfelder pro Tag. Pro Jahr wird so die Fläche einer Stadt wie Bremen denaturalisiert. Bis 2010 könnte die doppelte Fläche des Saarlandes für Siedlungs- und Verkehrszwecke neu beansprucht werden. Doch so einfach geht das nicht. Und wer soll – bei knappen Kassen – den Abbau der alten Straße bezahlen? So wird es weniger neue Straßen geben. Sollte das aber den Abbau von Staustellen verhindern, ist es nicht im Sinne des Naturschutzes. Besser wäre es daher, bei der Ursache von neuen Regionalstraßen anzusetzen – dem Ausweis von Bauland. Da man für jede Gewerbeansiedlung dankbar sein muß, kann nur beim Wohnungsbau angesetzt werden: „Die Sanierung und Modernisierung der vorhandenen Gebäudesubstanz, eine behutsame Stadterneuerung mit einer angepaßten Gestaltung der bestehenden Infrastruktur sind eine intelligentere und nachhaltigere Lösung als die weitere Zersiedelung der Landschaft mit Neubaugebieten auf der grünen Wiese“, empfiehlt Karl Otto Henseling vom Umweltbundesamt – recht hat er.

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