Luxusgut Musikkonserve

Die deutsche Musikindustrie klagt über massive Umsatzeinbußen von fast 20 Prozent. Ursache ist weniger die allgemein zurückgegangene Kauflust der Konsumenten, sondern vor allem die zunehmenden „Raubkopien“. Während der Absatz legaler Tonträger nur noch bei etwa 180 Million CDs liegt, erreicht der Verkauf von CD-Rohlingen die Rekordhöhe von 325 Millionen Stück. Daneben beschäftigt die Musikindustrie immer stärker der illegale Musikaustausch über das Internet. Inzwischen werden Internetfirmen, die über „Tauschbörsen“ Musik zum Herunterladen anbieten, strafrechtlich verfolgt. Bereits jetzt wurde in 68 Fällen Anzeige wegen Urheberrechtsverletzung erstattet. Das Wehgeschrei mit Hauruckaktion der Musikindustrie hinterläßt einen zwiespältigen Eindruck. Einerseits ist verständlich, daß Künstler nicht um ihr wohlverdientes Honorar gebracht werden sollen. Kunst ist ein hartes Brot, und nicht jeder Künstler kann sich in blitzenden Nobelkarossen vor seine Konzerthallen kutschieren lassen. Andererseits gibt es auch solche. Die Multimillionäre unter den Künstler sind aber gerade die Hitparadenabonnenten, deren Musik als Massenware über den Ladentisch geht. Da ist es unverständlich, daß pro CD 17, 24 oder mehr Euro berappt werden sollen. Überhaupt scheint das Preisgefüge für Musikmedien aus den Fugen geraten zu sein. Von der Kostenseite sind die Luxuspreise jedenfalls nicht zu rechtfertigen. Je höher der Preis, um so stärker ist die Neigung zur Raubkopie. Die umgekehrte Logik auszunutzen ist die Musikindustrie aber kaum bereit. Ein Zweites ist, welcher Anteil am Verkaufserlös überhaupt beim Künstler landet. Zu viele Parasiten versuchen, auf deren Kosten ihren eigenen Reibach zu machen.

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