Die Verlierer wurden erschlagen

Die rot-grüne Bundesregierung legte vor einiger Zeit ihren Tierschutzbericht 2003 vor. Hinsichtlich der EU-Osterweiterung und der Verlegung der Außengrenzen fordert die Koalition unter anderem die zügige Verabschiedung der EU-Tiertransportverordnung. Verbesserungen zum bestehenden Entwurf seien aber bei den maximalen Transportzeiten und bei der Kontrolle der Transportbedingungen erforderlich. Daß sich die Parteien des Problems der Tiertransporte zumal aus den osteuropäischen Ländern annehmen, ist wohl auch den Initiativen der deutschen Tierschutzorganisation Pro Animale zu verdanken, die nicht nur auf diesem Gebiet seit vielen Jahren Pionierarbeit in europäischen Ländern und darüber hinaus leistet: von Irland über Polen sowie südeuropäischen Staaten bis hin nach Rußland und in die Türkei. Man könnte das als tatkräftige Entwicklungshilfe in Sachen Tierschutz bezeichnen: nicht nur Appelle an das Gewissen von Politikern, sondern Aufbau von Tierschutzstationen, Hilfe bei der Ausbildung von Tierärzten (etwa für Kastrationsaktionen), Förderung einer veränderten Einstellung zu den Tieren, dies vor allem in den südlichen Ländern. Die Schlachttiertransporte, oft über mehrere Grenzen hinweg, sind ein besonders finsteres Kapitel in dem wohl immer problematischen Verhältnis zwischen Mensch, ökonomischem Interessen, Tiere, Ethik und Moral. Angesichts der gigantischen Größenordnung, um die es hier geht – Millionen von Schlachttieren, Hunderte von Millionen an Gewinn – wäre Resignation verständlich. Pro Animale aber hatte sich als einzige Tierschutzorganisation in Europa zum Handeln entschlossen und kaufte beispielsweise verletzte Pferde aus den Transporten an der deutsch-polnischen Grenze frei. Zugleich wurde mit Hilfe zahlreicher Spender ein verlassener Bauernhof in Polen wieder aufgebaut und mit Stallungen erweitert. Dort und auf anderen Höfen mit weiten Freiflächen habe mittlerweile über 260 Pferde eine sichere Zuflucht erhalten. Tierschutz als „Entwicklungshilfe“ für die erweiterte EU, um dauerhaft Mißstände zu beheben und Einstellungen zu verändern: Wie mühselig das ist, hat Pro Animale immer wieder bei der Gründung der heute insgesamt etwa 20 Stationen erfahren müssen und erfährt es noch täglich, auch wenn sich hier allmählich ein Mentalitätswandel abzeichnet. Beispiel Irland: Die massenweise Züchtung von Greyhounds für Wettrennen wurde bis vor kurzen noch – ein unglaublicher Skandal – von der EU subventioniert. Durch die Presse wurde bekannt, daß die Verlierer erschlagen, ertränkt oder in Tötungsanstalten „entsorgt“ werden. Andere werden nach Spanien transportiert, wo sie letztlich dasselbe Schicksal erwartet, Pro Animale ist bis heute eine der wenigen Tierschutzorganisationen, die sich effektiv um diese „Loser“ kümmert, indem sie ihnen sowohl in Spanien wie in der irischen Station „Avalon“ Obhut gewährt. Von dort werden diese sanften, sensiblen Langbeiner an deutsche Tierfreunde vermittelt. Beispiel Italien: Assisi, der Ort des heiligen Franziskus, Schutzpatron aller Tiere, hat es zwar zu einer florierenden Andenkenindustrie gebracht, aber bis heute noch nicht zu einem modernen Tierheim. Erst Pro Animale hat ein Refugium in der Nähe errichtet. Beispiel Rußland: Bis zum Ende der Sowjetunion gab es in Moskau keinen privaten Tierarzt, kein Tierheim. Pro Animale hat auf Bitten Moskauer Bürger begonnen, erste bescheidene Tierasyle aufzubauen, und konnte so unzähligen Tieren das Leben erhalten. Beispiel Türkei: Allen Touristen ist in den Mittelmeeranrainern – von Spanien über Italien und Griechenland bis zur Türkei – das Elend der Straßentiere bekannt. Die Überpopulation kann nur durch Kastration verhindert werden -hier ist Pro Animale tätig. In allzu wenigen Glücksfällen gelingt eine Vermittlung nach Deutschland über die drei eigenen hiesigen Tierherbergen. Zumal kleinere Hunde sind hier sehr gesucht. Der gute Ruf von Pro Animale als effektive Tierschutzorganisation hatte dann auch die türkische Regierung veranlaßt, diesem deutschen Verein die Verantwortung für das dortige Bärenzentrum – unter anderem für freigekaufte gequälte Tanzbären – zu übertragen. Es ist das größte Bärengehege in Europa. Pro Animale aber ist auch nach 18 Jahren unermüdlicher Arbeit eine Organisation, die stets nur unter großen Mühen das leisten kann, was man im In- und Ausland von ihr erwartet. Für die Gründerin Johanna Wothke ist daher Hilfe aller Art willkommen. Weitere Informationen: Pro Animale für Tiere in Not e. V., Heugasse 1, 96231 Uetzing; Tel. 0 95 73 / 66 81; Fax 0 95 73 / 66 23; Internet: www.pro-animale.de

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