„Christlich“-linke Ahnungslosigkeit

Hermann-Josef Arentz, Chef der Christlich-Demokratischen Arbeitnehmerschaft (CDA), seit fast einem Vierteljahrhundert Landtagsabgeordneter und aussichtsreicher Kandidat der rheinischen CDU im Falle eines Wahlsiegs auf den Sessel des künftigen NRW-Sozialministers, hat seine politische Karriere abrupt beenden müssen. Als Anlaß gilt ein seit Jahren bestehendes "Arbeitsverhältnis" bei dem Energiekonzern RWE, für das Arentz zwar 60.000 Euro Jahresgehalt und ein kostenloses Stromkontingent bezogen, aber keine Leistung erbracht hat. CDA-Funktionäre mutmaßen, der Sturz von Arentz sei von "Neoliberalen" der Partei initiiert worden.

Wer das Buch "Sozialstaat im Härtetest" des ehemaligen Vorzeigelinken der CDU gelesen hat, kann diese These durchaus nachvollziehen. Für den 51jährigen Arentz ist der Neoliberalismus des Teufels Ding schlechthin. Um diesen auszutreiben, scheut sich der Autor nicht, möglichst dreimal pro Seite das Wort "christlich" in die Feder zu nehmen. Arentz geht dabei Wirtschaftsfachleute und auch Landesparteifreunde wie den Ex-Unionsfraktionsvize Friedrich Merz in rüder Weise an. Ansonsten strotzt das Buch vor erschütternder Unwissenheit über ökonomische Zusammenhänge. Arentz übernimmt bedenkenlos Diktion und Bildungsniveau von PDS-Flugblättern, um seine angeblich christlichen Sozialpositionen zu untermauern. Er offenbart in seinem Pamphlet, daß er weder Ahnung vom Neoliberalismus noch vom Christentum hat. Das wäre wirklich ein Grund zur Entlassung aus den politischen Ämtern gewesen. Die Annahme von Geldvorteilen ist dagegen etwas, das heutzutage doch jedem Politiker zugestanden wird – und Arentz offensichtlich auch jahrelang verziehen wurde.

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