Sozialistischer Größenwahn

Der Sozialismus war schon immer ein diesseitsorientierter Ersatzglaube, mit der Technik als ihrem Sakral. Gott ist tot, es lebe der Ingenieur. Dafür muß nun die Heimat von einer Million Chinesen geopfert werde. Gemeint ist der Drei-Schluchten-Staudamm im chinesischen Jangtse-Strom, der als Gegenleistung das irdische Heil durch die Lösung von Überschwemmungsproblemen und die Lieferung von Energie für das Paradies auf Erden verspricht. Ingenieure wie Huang Wanli rechnen allerdings nach Angaben der Zeitschrift Chinas Geographie vor, daß der Drei-Schluchten-Staudamm zu katastrophalen Geröll-Ablagerungen führen und den Hafen Chongqing innerhalb von zehn Jahren vernichten wird. Am Ende werde der Staudamm wieder gesprengt werden müssen. Das Hauptanliegen, Überschwemmungen zu verhindern, wird ohnehin nicht erreicht. Das ist schon jetzt offenkundig, weil die Hauptwassermassen bei starken Regenfällen unterhalb des Staudammes aus Nebenflüssen in den Hauptstrom gelangen. Wanli erklärte bereits 1957 bezüglich eines anderen Staudammprojektes im Gelben Fluß, daß es binnen zwei Jahren zur Verschlammung führen werde. So kam es dann auch. Manche sind eben vorher schlau, andere hinterher, Dogmatiker niemals. Die Begeisterung von Chinas Reportern ist jedenfalls ungebrochen. Der Stautiefe von 135 Metern wird bis zum 16. Juni eifrig entgegengefiebert. Der kommunistische Ostblock hatte seine Heilslehren bis zum bitteren Ende verkündet und sich an technischen Großprojekten moralisch aufgerichtet. Ein Mahnmal hierfür fehlt noch. Sollte der Staudamm in zehn oder 15 Jahren wirklich abgerissen werden, dürfte eine Ruine übrig bleiben, die von ebendiesem menschlichen Größenwahn zeugt.

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