Der Kampf ums Wasser als lohnendes Geschäft

Wenn ein Problem von der über wiegenden Mehrheit der Betei-ligten nicht als Problem wahrgenommen wird, gibt es das Problem nicht. Daher muß ein „Problembewußtsein“ geschaffen werden. Dies war eines der herausragenden Ziele des dritten „Welt- Wasser-Forums“, das in der Zeit zwischen dem 16. und dem 23. März im japanischen Kyoto tagte. Die zehntausend Teilnehmer aus 160 Ländern versuchten in einer Woche in zahlreichen Sitzungen konkrete Maßnahmen zum Schutz des Wassers zu besprechen. Daß der immer dramatischere Mangel an sauberem Süßwasser nur zögerlich auf die Agenda der Menschheit gesetzt wird, hängt auch mit der Wasserverteilung zusammen: In den Industrienationen der gemäßigten Klimazonen, aus denen die meisten „Entscheider“ stammen, ist derzeit Wasser ausreichend vorhanden. Aber die globalen Verhältnisse sind tatsächlich besorgniserregend: Denn über 97 Prozent der Wasservorräte der Erde bestehen aus salzigem Meerwasser, weitere zwei Prozent sind in Gletschern und den Polkappen gebunden. Von dem knappen ein Prozent an Süßwasser kann aufgrund bereits erfolgter Verschmutzung ebenfalls nur ein Teil genutzt werden. Hinzu kommt, daß diese Bruchteile nicht gleichmäßig auf der Erde verteilt sind. Doch ein „knappes Gut“ verspricht glänzende Geschäfte. Der Kampf gegen die Privatisierung – auch das war ein wichtiges Thema auf dem Wassergipfel – scheint daher schon verloren zu sein, bevor er richtig angefangen hat. Denn der Privatisierungsgrad der Wasserversorgung in vielen Industrieländern nimmt deutlich zu. Werden heute lediglich 38 Prozent der europäischen Bevölkerung von privaten Anbietern versorgt, so rechnen Experten bis 2015 mit einer Verdoppelung auf rund 75 Prozent. Mehr als eine Vervierfachung dieses Prozentsatzes wird für die USA erwartet. Von heute 14 Prozent soll sich die Zahl privater Wasserversorger bis 2015 auf 65 Prozent steigern. Von dieser Entwicklung könnten insbesondere die beiden französischen Branchenriesen Suez Lyonnaise des Eaux und Vivendi Enviroment profitieren. Aber auch für die deutsche RWE, nach der Übernahme von American Water Works und der britischen Thames Water zur Nummer drei im weltweiten Wassermarkt aufgestiegen, könnten rosige Zeiten anbrechen. Obwohl Süßwasser ein so kostbares Gut ist, scheint auch die Natur nicht besonders sparsam damit umzugehen. So verbraucht der Anbau von Lebensmitteln und die Nutztierhaltung enorme Mengen des kostbaren Naß, was an dem schlechten „Wasserwirkungsgrad“ der Nahrungspflanzen liegt. Zur Erzeugung eines Kilogramms Weizen braucht man 1.000 Liter Wasser, für ein Kilo Rindfleisch sogar 4.000 bis 6.000 Liter. „Während ein Durchschnittseuropäer rund 50 Kubikmeter Wasser für Trinken und Hygiene pro Jahr benötigt, werden zur Erzeugung seiner Nahrungsmittel im selben Zeitraum rund 700 Kubikmeter Wasser verbraucht“, erklärte Helmut Lehn, Projektleiter an der Akademie für Technikfolgenabschätzung in Baden-Württemberg zum „Tag des Wassers“ am 22. März. Deutschland könnte zur Bewältigung der globalen Wasserkrise durch neue Abwassertechnologien und den Schutz seiner Agrarflächen beitragen. „Es existieren längst neue Sanitärtechniken, die mit extrem wenig Wasser auskommen, aber bisher noch nicht in großem Stil eingesetzt werden“, bemängelt Lehn. Für die in Mitteleuropa üblichen Kanalsysteme mit nachgeschalteten Kläranlagen stehe in trockenen Regionen nicht genügend Wasser zu Verfügung, sie sind kein Vorbild für Problemregionen. Mit den neuen Vakuum- bzw. Separationstechniken könnte aber nicht nur Wasser eingespart, sondern auch Düngemittel zurückgewonnen und Nutzenergie durch Biogas bereitgestellt werden. Auch die ungebremste Zerstörung von fruchtbarem Boden war in Kyoto ein wichtiges Thema. Nach seriösen Prognosen werden aufgrund der wachsenden Weltbevölkerung Wassermangel und fehlende Anbauflächen bereits im Jahr 2025 dazu führen, daß viele Staaten in Afrika und Asien ihre Bevölkerung nicht mehr ernähren können. „Mitteleuropa bleibt dann eine der wenigen Regionen der Erde, die noch über genügend Wasser und ausreichend große landwirtschaftliche Flächen verfügen, um substantielle Lebensmittelmengen zu exportieren“, so Helmut Lehn. Vor dieser düsteren Prognose zwingt sich die Frage nach dem Konfliktpotential auf. Allein die Uno hat 300 potentielle „Wasserkriegsschauplätze“ registriert. Es ist zu erwarten, daß Kriege um diesen Rohstoff viel erbitterter geführt werden als andere Verteilungskämpfe – denn ohne Benzin kann man leben, ohne Wasser aber kommt nach drei Tagen der Tod. Der 1996 gegründete Welt-Wasser-Rat, der die bisherigen Wassergipfel organisierte, sieht sich daher auch als friedenspolitische Organisation. Aber ob der Durst der etwa 1,4 Milliarden Menschen, die zur Zeit keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser haben, mit Absichtserklärungen zu stillen ist, bleibt fraglich.

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