Der Euro als Spielball des Dollar

Seit genau einem Jahr zeigt der Wechselkurs des Euros gegen-über dem US-Dollar eine stetige Aufwärtsbewegung. Reichten im Januar 2002 noch 88 US-Cents aus, um einen Euro zu kaufen, müssen im Januar dieses Jahres 1,08 US-Dollar für einen Euro hingelegt werden. Auf diesem Niveau lag der Wechselkurs zuletzt im März 1999. Schon sind mahnende Stimmen zu vernehmen, die auf die Schädlichkeit des hohen Wechselkurses für den deutschen Außenhandel verweisen. Die Verteuerung der deutschen Waren könnte die Wachstumswerte der Exportwirtschaft rapide sinken lassen. Damit würde die letzte Bastion fallen, die Deutschland vor der tiefen Rezession bewahrt. Während einige Wechselkursauguren schon im Sommer ein Absacken des Euro-Preises auf 98 US-Cents versprechen, vermuten andere einen weiteren Anstieg bis zu 1,20 Dollar. Bei der Gegensätzlichkeit der Prognosen ist eine Gemeinsamkeit erstaunlich: Beide Lager stützen ihre Vorhersagen auf eine Einschätzung der kommenden Entwicklung der US-Wirtschaft. Die momentane relative Stärke des Euros basiert demnach bei keinem auf einer Stärke des Euros, sondern auf einer Schwäche der US-Währung. Der Unterschied in der Projektion liegt demnach in der unterschiedlichen Einschätzung, ob sich die US-Wirtschaft bald oder erst später erholt. Unterschiedlich eingeschätzt wird auch das Verhalten der US-Zentralbank, ob sie weiterhin den Geldhahn aufgedreht läßt oder bald kalte Inflationsfüße bekommt und die Leitzinsen erhöht. Die Einschätzung, daß die Euro-Länder angesichts der Kriegsgefahr im Irak einen vermeintlich sicheren Hafen bieten, ist nur wenig bedeutsam für die Euro-Stärke. Die europäische Einheitswährung ist und bleibt ein Spielball der US-Wirtschaft.

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