Bahn frei für tarifliche Vernunft

Nach zähem Ringen haben sich die Deutschen Bahn und die Gewerkschaften Transnet und GDBA zu einem Tarifabschluß geeinigt. Danach erhalten die 160.000 Beschäftigten im April und im Dezember dieses Jahres jeweils eine Sonderzahlung von 200 Euro. Ab Mai 2004 steigen dann die Löhne um 3,2 Prozent. Im Durchschnitt errechnet sich damit eine Lohnsteigerung von knapp zwei Prozent, bei einer Laufzeit von zwei Jahren. Zusätzlich wurde eine Anpassung der Ostlöhne an das Westniveau bis zum Jahre 2006 vereinbart. Beide Seiten erklärten, bis an die äußerte Grenze ihrer Belastbarkeit gegangen zu sein. So muß das sein bei einem Kompromiß. Der Bahnabschluß beweist aber nicht nur, daß bei bestem Willen auf beiden Seiten Einigungen stets möglich sind, sondern daß solche Kompromisse sich auch der wirtschaftlichen Vernunft unterordnen können. Natürlich wären aus volkswirtschaftlicher Sicht noch bessere Ergebnisse denkbar und wünschenswert gewesen. So hätte eine Nullrunde bei der Lohnentwicklung die Gewinnsituation der Bahn wesentlich verbessert. Allein die beiden Sonderzahlungen in diesem Jahr kosten die Bahn 64 Millionen Euro – das ist mehr, als sie im letzten Jahr als Gesamtgewinn verzeichnete. Mit einer entsprechenden Gewinnausweitung wäre das Vorhaben, die Bahnaktien endlich in privates Eigentum zu überführen, einen großen Schritt vorangekommen. So aber rückt das Ziel in weitere Ferne. Doch immerhin gewährleisten die moderaten Lohnsteigerungen in Höhe der Inflationsraten, daß die Reallöhne nicht steigen, sondern möglicherweise sogar sinken. Nur so lassen sich heute Arbeitsplätze retten. Die Angleichung der Ostlöhne wird allerdings kaum ohne Entlassungen finanzierbar sein.

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