Joachim Kuhs

 

Die Stunde der Opportunisten

Am Montag veröffentlichte das Statistische Bundesamt die Geburtenzahl für 2006. Wieder sackte sie auf einen neuen Negativwert. Gegenüber dem Höchststand von 1.357.304 Geburten 1964 sank die Zahl der Geburten im vergangenen Jahr auf das Rekordtief von 672.724. Davon geht bereits ein Drittel auf das Konto von Bürgern mit „Migrationshintergrund“. Es wurden 148.000 mehr Todesfälle registriert als Geburten. Diese das Schicksal unserer Nation entscheidenden Zahlen müßten die „politische Agenda“ beherrschen. Von morgens bis abends. Statt dessen wird ausgewichen. Die familienpolitische Debatte wird von Lobbygruppen diktiert, die ihre Sonderinteressen durchsetzen wollen. Der Normalfall sollte nach wie vor die Familie mit lebenslang verheirateten Eltern und nur einem berufstätigen Elternteil sein. Dennoch gibt es eine Protegierung des Ausnahmefalls, zerbricht sich der Staat primär den Kopf über die Behütung der zerrütteten Familien, der alleinerziehenden Mütter. Es war eine Provokation der politisch-medialen Klasse, als die Vorzeige-Moderatorin Eva Herman im vergangenen Jahr demonstrativ eine Rückkehr zu traditionellen Werten und zum traditionellen Familienmodell forderte. Die feministische Intelligenzija hat alles versucht, um sie der Lächerlichkeit preiszugeben. Alice Schwarzer tobte über Hermans Attacke und setzte alle Hebel in Bewegung, um diese Gegenspielerin aus dem Weg zu räumen. Von einer Hofierung Eva Hermans konnte überhaupt keine Rede sein. Es gehörte selbst in „bürgerlichen“ Blättern zum guten Ton, sich über sie lustig zu machen. Um die Frau jedoch, die mit ihrer menschenverachtenden Kampagne zur Freigabe der Abtreibung geistig dem millionenfachen Massenmord an ungeborenen Kindern entscheidend den Weg bereitet hat – seit 1974 sind in Deutschland schätzungsweise acht bis zehn Millionen Kinder im Mutterleib aufgrund des von Feministinnen aufgeweichten § 218 getötet worden -, nämlich Emma-Herausgeberin Schwarzer, buhlen die Schirrmachers, di Lorenzos und Beckmanns der Republik. Sogar das Busenblatt Bild biederte sich jüngst bei ihr an, um ihr Gesicht für eine Werbekampagne verwenden zu dürfen. Bild hat auch von Anfang an alles getan, um zur Demontage Hermans beizutragen. Das Massenblatt mit dem am besten trainierten opportunistischen Riecher hat früh erkannt, wie die politischen Gewichte verteilt sind. Sicher: Eva Herman hätte als Medienprofi wissen müssen, daß diejenigen, die sie mit ihren Thesen provoziert hatte, über großen Einfluß verfügen und auf ihren Rauswurf beim NDR systematisch hinarbeiten würden. Sie hätte wissen können, daß nur noch nach einem kampagnentauglichen Satz gefahndet wird, mit dem man sie über die Klinge springen lassen kann. Wir sehen in diesen Tagen den medialen Betrieb zur Kenntlichkeit entstellt. Gestanzte und rituelle Sätze werden in die Mikrofone gesprochen. Niemand wagt zu sagen, daß es eine Sensation ist, wenn eine prominente Fernsehfrau aus dem feministischen Mainstream ausschert, und daß der eigentliche Skandal darin besteht, wie Menschen mundtot gemacht werden, die von dieser Einheitsmeinung abweichen.

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