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Verfolgt, enteignet und vertrieben

Vergessene Gutshöfe – erste Opfer der Enteignung Zarnekow bei Demmin
Eines von mehreren hundert Gutshäusern in schlechtem Zustand allein in Mecklenburg/Vorpommern. Das Gutshaus Zarnekow wurde 1869 erbaut, später folgten zusätzliche Anbauten. Das Gutshaus steht heute leer. (Quelle und Informationen zu Gutshäusern, Domänen, Schlössern und Burgen in Mecklenburg/Vorpommern unter www.gutshaeuser.de ) Foto: Gutshaus Zarnekow Langenfelde bei Grimmen
Das Herrenhaus Langenfelde befand sich im Besitz der Familie von Hagenow. Es wurde in den Jahren 1843 und 1846 in Form eines „H“ erbaut. Es wurde 1992 – ohne Auflage – zur Sanierung verkauft. Seitdem steht dieses wertvolle Gebäude leer und verfällt zusehends. Eine Sicherung gegen Regen, Schnee und Vandalismus ist weder vorhanden noch geplant. Foto: Gutshaus Langenfelde Bernstorf bei Grevesmühlen
Der letzte Besitzer von Gut Bernstorf war Albrecht Graf von Bernstorff, der aufgrund seiner antifaschistischen Haltung kurz vor Kriegsende von den Nationalsozialisten umgebracht wurde. Dieses Herrenhaus ist ein schlichter Bau aus Backstein und dem sogenannten Raseneisenstein, mit dem in der näheren Umgebung des Gutes häufig gebaut wurde. Foto: Gut Bernstorf Die Enteignung in Zahlen 1945-1949 7.112 Höfe über 100 ha 4.278 Höfe unter 100 ha 9.881 Industriebetriebe 31 % Zirka 3,3 Millionen Hektar Land wurden zwischen 1945 und 1949 beschlagnahmt (31 Prozent der Gesamtfläche der DDR). Diese wurden auf zirka 560.000 „Neubauern“ verteilt. Die durchschnittliche Betriebsgröße der „Neubauernstellen“ betrug daraufhin 8,1 Hektar. 625.000 Betroffene 1945-1949 3,75 % Adelige Gutsbesitzer („Junker“) 15% Landwirte 85 % Industriebetriebe Die Zahl der Betroffenen der „Boden-“ und „Industriereform“ wird vom Bundesfinanzministerium – entsprechend der Anzahl der Rückgabeanträge – mit rund 625.000 angegeben. Davon entfallen um die 85 Prozent auf mittelständische Betriebe der „Industriereform“, 15 Prozent der Fälle gehören zur „Bodenreform“. Der Anteil der adligen Gutsbesitzer, der sogenannten „Junker“ beträgt etwa 3,75 Prozent. Zwangskollektivierung 1952-1960 800.000 Zwangskollektivierungen Zwischen den Jahren 1952 und 1960 wurden mehr als 800.000 Bauern enteignet und deren Privatbetriebe in mehr als 19.000 Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaften (LPG) überführt. Foto: Grafik: JF / Angaben Aus Allianz für den Rechtsstaat e.V. „Chronik des Unrechts“ Speziallager in der Sowjetischen Besatzungszone Bezirksstädte der DDR Speziallager in der SBZ Hunderte Personen wurden direkt im Zuge der Enteignungen getötet. Parallel dazu wurden Tausende von „Bodenreform“-Opfern in Speziallager interniert. Darunter Angehörige des Adels, Unternehmer und Bauern, die sich ihrer entschädigungslosen Enteignung widersetzten. Insgesamt waren 122.671 interniert, von denen 42.899 umkamen. 756 Personen wurden zum Tode verurteilt und hingerichtet. Foto: Speziallager Nr. 9 Fünfeichen Reproduktion eines Fotos des sowjetischen Speziallagers Nr. 9 bei Neubrandenburg. Der Fund aus dem russischen Staatsarchiv Moskau ist wahrscheinlich einmalig. vor 1945 Leninismus
„Zunächst unterstützen wir bis zum Ende, mit allen Mitteln, bis zur Konfiskation, den Bauern überhaupt gegen den Gutsherrn; danach unterstützen wir das Proletariat gegen den Bauern überhaupt.“ Foto: W. I. Lenin Juni 1945 SMAD
Die Sowjetische Militäradministration in Deutschland (SMAD). „Befreier“ und ab Juni 1945 Souverän in der SBZ und im Leninschen Sinne Schirmherr über Konfiskation, Demontage und Vertreibung. Foto: Marschall Schukow (l.) 1945-1949 Konfiskationen
Die aus Moskau in die SBZ zurückgekehrte Gruppe Walter Ulbricht (KPD) setzt ab September 1945 mit der Ausrufung der „Boden- und Industriereform“ die marxistisch-leninistische Theorie in die Praxis um. Foto: W. Ulbricht Juni 1952-April 1960 Kollektivierung
Mehr als 800.000 bäuerliche Betriebe fielen bis in Jahr 1960 der Kollektivierung zum Opfer. Letztendlich entwickelten sich dabei 19.345 sozialistische Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaften (LPG). Foto: LPG-Plakat 7. April 1960 „Null und nichtig“
„… niemals anerkennen, was an gesellschaftlichen Strukturänderungen im Machtbereich des Sowjetismus vollzogen wird. Das ist für uns null und nichtig“ (Gemeinsame Erklärung des Bundestages). Foto: Bundestag 1989 „Liquidieren“
In seinen Memoiren schwärmt der Ex-Staatsratsvorsitzende Honecker vom damaligen Entschluß der KPdSU, „die Landwirtschaft durchgängig zu kollektivieren und das Kulakentum als Klasse zu liquidieren“. Foto: Erich Honecker 10. Februar 1990 Innerdeutsche Angelegenheit
Generalsekretär Gorbatschow gibt in Anwesenheit von Bundeskanzler Helmut Kohl in Moskau sein Ja-Wort zur Wiedervereinigung:
„Die Deutschen müssen ihre Wahl selbst treffen.“ Foto: M. Gorbatschow 1., 2. und 3. März 1990 Kein Zurück
Der DDR-Ministerpräsident Hans Modrow läßt keinen Zweifel an der „DDR-Haltung“ aufkommen und besteht gegenüber Moskau und Bonn darauf: „Die Eigentumsverhältnisse in der Deutschen Demokratischen Republik“ sind „nicht in Frage zu stellen“. Foto: Hans Modrow 18. März 1990 Weichenstellung
Für Innenminister Schäuble (CDU) stand nach der gewonnenen Volkskammerwahl das „Grundgerüst“ des Vertrages zur Einigung fest – keine Rückgabe und keine Entschädigung von entzogenem Eigentum. Foto: W. Schäuble 15. Juni 1990 Gemeinsame Erklärung
Zur Klärung der „offenen Vermögensfragen“ erklären beide deutsche Staaten wie folgt: „Die Enteignungen auf besatzungsrechtlicher bzw. besatzungshoheitlicher Grundlage (1945-1949) sind nicht mehr rückgängig zu machen.“ Foto: Einigungsvertrag 23. April 1991 Juristische Untermauerung
Die Verfassungsbeschwerde von „Bodenreform“- Betroffenen wird vom Bundesverfassungsgericht (BVerfG) zurückgewiesen. Die „Enteignungen“ seien letztendlich anzuerkennen. Foto: BVerfG 18. April 1996 „Pflichtgemäß“
„Die Grundlagen für eine pflichtgemäße Entscheidung der Verhandlungslage durch die Bundesregierung“ wird durch „nachträgliche Deutungen“ (Aussagen Gorbatschow …) „der politischen Verhältnisse nicht erschüttert“. Foto: BVerfG 26. Oktober 2004 „Keine Pflicht“
Karlsruhe erklärte: „Daraus folgt jedoch keine Pflicht zur Rückgabe des in dem Zeitraum von 1945 bis 1949 außerhalb des staatlichen Verantwortungsbereichs entschädigungslos entzogenen Eigentums.“ Foto: BverfG

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