MÜNCHEN. Der ADAC hat sich nach den kontroversen Aussagen seines Verkehrspräsidenten Gerhard Hillebrand einen Shitstorm eingehandelt. In den sozialen Medien äußerten zahlreiche Nutzer scharfe Kritik und posteten Fotos ihrer Kündigungsschreiben.
Hillebrand hatte kurz vor Weihnachten in einem Interview für höhere Benzin- und Dieselpreise plädiert und die CO2-Steuer gelobt. „Der ADAC hält die CO2-Bepreisung für ein richtiges Instrument, um die Klimaschutzziele zu erreichen“, sagte er der Neuen Osnabrücker Zeitung. „Die Leute brauchen den Anreiz, um auf klimaschonende Alternativen zum Diesel und Benziner umzusteigen.“
Bei einer Reihe von ADAC-Mitgliedern sorgten die Aussagen für mächtig Ärger. „Was erwartet ein Automobilclub, wenn er seine Mitglieder unter den Bus schubst? Meine Kündigung nach 43 Jahren Mitgliedschaft habe ich als letzte gute Tat im alten Jahr gestern rausgeschickt“, schrieb ein Nutzer auf X.
Gibt es wirklich eine „Austrittswelle“?
Ein anderer kritisierte: „Der ADAC ist also komplett ideologisiert. Kündigung ist raus. Ich wechsle zu einem Automobilclub, der die Interessen seiner Mitglieder vertritt.“ Der ADAC ist mit rund 22 Millionen Mitgliedern der größte Automobilclub Europas. Der Bild zufolge fahren ähnlich wie der Bundesdurchschnitt 90 Prozent der Mitglieder Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor.
Viele Mitglieder posteten zudem Fotos ihrer Kündigungsschreiben oder von Formularen, in denen sie ihre Kündigung erklären. Mehrere Medien sprachen deshalb von einer „Austrittswelle“, im Netz kursierte die Behauptung, 15.000 Mitglieder seien infolge des Interviews ausgetreten. Belege gibt es für beide Behauptungen bisher keine.
Go woke, go broke.
Nach über 20 Jahren Mitgliedschaft trete ich aus! Hoffentlich folgen noch mehr!#adac pic.twitter.com/C2g5lVAHMV
— Thomas (@Polski1985) January 1, 2026
ADAC reagiert mit Brief an Mitglieder
Der ADAC versandte als Reaktion auf die Kritik laut Braunschweiger Zeitung einen Brief an seine Mitglieder. „Wir verstehen, daß die Berichterstattung zum Thema CO2‑Preis bei vielen Menschen Fragen und Sorgen ausgelöst hat“, heißt es darin.
Hillebrands Aussagen seien in Teilen der Medienberichterstattung verkürzt wiedergegeben worden, führt der Autoclub weiter aus. Dadurch sei der Eindruck entstanden, der ADAC befürworte pauschale Kraftstoffverteuerungen. „Dies entspricht nicht der Position des Clubs.“
Hillebrand stellt Aussagen klar
Der ADAC-Verkehrspräsident selbst bekräftigte gegenüber der Braunschweiger Zeitung, der CO2-Preis sei ein geeignetes Instrument, um den Klimaschutz im Verkehr voranzubringen. Allerdings würden solche Preissignale nur funktionieren, wenn es ausreichend Alternativen gebe.
Gerade die würden bei erneuerbaren Kraftstoffen und der Elektromobilität jedoch noch fehlen. „Wenn Preise erhöht werden, ohne Ausweichmöglichkeiten zu schaffen, kommt zum einen Problem das andere: Dem Klimaschutz ist aufgrund der fehlenden Möglichkeiten von Verbrauchern nicht geholfen – und zusätzlich wird Mobilität weniger bezahlbar“, sagte Hillebrand.
„Alternative Kraftstoffe müssen günstiger werden“
Aus diesem Grund forderte er eine Senkung der Stromsteuer für private Verbraucher. „Und für Autofahrende (sic!), die weiterhin mit dem Verbrenner unterwegs sind, müssen alternative Kraftstoffe günstiger werden, zum Beispiel durch die überfällige Reform der EU-Energiesteuerrichtlinie, aber auch stärkere Anreize für Investitionen der Industrie in die Erzeugung erneuerbarer Energie“, betonte er. Ein richtiger Schritt sei etwa die von der Bundesregierung beschlossene Erhöhung der Pendlerpauschale.
Eine Anfrage dieser Zeitung, wie viele Mitglieder seit dem Interview kurz vor Weihnachten ausgetreten sind, ließ der ADAC bislang unbeantwortet. (dh)






