BERLIN. Bereits Monate vor der mutmaßlichen Vergewaltigung in einem Jugendzentrum im Berliner Stadtteil Neukölln (die JF berichtete) haben Mädchen von sexuellen Übergriffen berichtet. Dennoch blieben Konsequenzen offenbar aus. Laut Berichten ging es unter anderem um unerwünschte Küsse sowie Berührungen an der Brust.
Statt disziplinarischer Maßnahmen sei lediglich eine Fortbildung für Mitarbeiter zum Umgang mit sexueller Gewalt vorgesehen gewesen – sie wurde jedoch kurzfristig abgesagt und nicht nachgeholt.
Die Welt berichtete, dass Mädchen in dem Zentrum regelmäßig bedrängt worden seien. Demnach sei es üblich gewesen, sogenannte „Safe Words“ zu verwenden, um Mitarbeiter auf kritische Situationen aufmerksam zu machen. Eine parlamentarische Anfrage der AfD ergab inzwischen, dass die Maßnahmen aus Sicht des Berliner Jugendsenats „über einen so langen Zeitraum nicht ausreichend“ gewesen seien. Die zuständige Jugendstadträtin Sarah Nagel (Linke) setzte daraufhin eine unabhängige Kommission ein. Diese soll die Vorgänge untersuchen und bis Ende Mai erste Ergebnisse vorlegen.
Moslems nach Vergewaltigung nicht stigmatisieren
Der Fall hatte bundesweit für Aufsehen gesorgt, nachdem bekannt geworden war, dass eine 16jährige Ende 2025 in dem Jugendzentrum mutmaßlich vergewaltigt wurde. Anzeige erstattete erst der Vater am 23. Februar – weder das Jugendzentrum noch das zuständige Jugendamt hatten zuvor die Polizei eingeschaltet. Die Gründe dafür sind bislang unklar.
Inzwischen ermitteln das Landeskriminalamt und die Staatsanwaltschaft Berlin nicht nur wegen der mutmaßlichen Tat, sondern auch wegen des Verdachts der Strafvereitelung. Auch gegen Nagel wurden entsprechende Verfahren eingeleitet.
Zusätzliche Brisanz erhält der Fall durch den Verdacht, dass der Vorfall möglicherweise nicht gemeldet wurde, um die muslimischen Tatverdächtigen nicht zu stigmatisieren. Offiziell bestätigt ist dies bislang nicht. Für die Familie des Opfers hat der Fall bereits weitere Konsequenzen: Die 14jährige Schwester musste auf Wunsch der Eltern die Schule wechseln, nachdem sie von der Tätergruppe kontaktiert worden sein soll. (rr)
