BERLIN. In einem Selbstbezichtigungsschreiben hat sich die „Vulkangruppe“ zum Brandanschlag auf eine Kabelbrücke bekannt, die wahrscheinlich noch bis Donnerstag zu Stromausfällen im Berliner Südwesten führt (die JF berichtete). Der Brief, der zunächst beim Berliner Staatsschutz eingegangen war, haben die Täter inzwischen auf einer Internetseite veröffentlicht.
Darin heißt es konkret über den Anschlag: „Die Kabelbrücke, die nicht öffentlich verzeichnet ist und vom Kraftwerk Lichterfelde über den Teltowkanal geführt wird, haben wir zur Seite der Grünanlagen hin in Brand gesetzt. Wir haben die angeschmorten Kabelstränge mit herumliegenden Stahlstangen zusätzlich kurzgeschlossen.“
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Durch den Blackout sind rund 45.000 Haushalte, Krankenhäuser, Pflegeheime und 2.200 Betriebe im Bezirk Steglitz-Zehlendorf seit Sonnabend ohne Strom, Heizung, Internet und Telefon. Die Temperaturen in der Hauptstadt waren in der Nacht auf bis zu minus sechs Grad gefallen. Die Stadt richtet Notunterkünfte für die Betroffenen ein und fordert sie auf, vorübergehend zu Verwandten und Bekannten zu ziehen, die nicht von dem Blackout betroffen sind.
„Unser Mitleid hält sich in Grenzen“
Die Täter schreiben, daß sie nicht davon ausgingen, „100.000 Haushalte vom Netz abgetrennt (zu) haben, sondern daß wir diese nur vom Netz des Gaskraftwerks abgetrennt haben“. Dies hat sich nun als unwahr herausgestellt. Über die Menschen, die nun tagelang bei vorausgesagtem Dauerfrost im Kalten sitzen werden, heißt es: „Bei den weniger wohlhabenden Menschen in dem Südwesten Berlins entschuldigen wir uns. Bei den vielen Besitzern von Villen in diesen Stadtteilen hält sich unser Mitleid in Grenzen.“
Die Echtheit des Bekennerschreibens, in dem die Täter auch Bezug auf frühere Anschläge nehmen hat die Berliner Polizei am Nachmittag bestätigt. Der ARD-Terrorismusexperte Michael Götschenberg hatte bereits zuvor erklärt, in Sicherheitskreisen werde die „Vulkangruppe“ als Urheber für plausibel gehalten. Das Vorgehen decke sich mit früheren Anschlägen auf Stromanlagen, sagte Götschenberg dem RBB.
Teile Berlins wirken gespenstisch nach dem Anschlag auf das Stromnetz. Sicherheitskräfte patrouillieren in den Straßen. Die Polizei versucht notdürftig wichtige Kreuzungen mit Notstrombeleuchtung zu sichern. Dieter Stein (@Dieter_Stein) ist vor Ort. pic.twitter.com/ib9uylxLT0
— JUNGE FREIHEIT (@jungefreiheit) January 3, 2026
Linksextreme sorgten kürzlich bereits für Blackout
Zuletzt hatte die Gruppe im September 2025 im Berliner Südosten für einen ebenfalls tagelangen Stromausfall gesorgt. Seinerzeit, vor vier Monaten, hatten die Täter einen Brand an zwei Hochspannungsmasten im Bereich Johannisthal/Königsheideweg gelegt. In der Folge fiel bei 50.000 Endabnehmern der Strom aus, darunter auch bei 3.000 Gewerbebetriebe und mehreren Pflegeeinrichtungen. Der Anschlag richtete sich angeblich gegen den Technologiepark Adlershof, weil dort auch Rüstungsforschung betrieben werde.
Nach dem Anschlag war Berlin relativ schnell wieder zur Tagesordnung übergegangen. Daß der Terror von Linksextremisten kam, spielte in der öffentlichen Diskussion so gut wie keine Rolle. Kein Täter wurde gefaßt.
Im März 2024 war die „Vulkangruppe“ ähnlich vorgegangen und hatte einen Hochspannungsmast in Grünheide, östlich von Berlin, in Brand gesetzt. Das Ziel war die Gigafabrik des E-Auto-Herstellers Tesla, wo tagelang nicht mehr gearbeitet werden konnte. Auch hier waren tausende private Haushalte in der Hauptstadt und dem Umland betroffen.
„Vulkangruppe“ gründete sich 2011
Das Bundesamt für Verfassungsschutz ordnete der „Vulkangruppe“ bereits von 2011 bis 2023 zehn Anschläge zu – die meisten davon in Berlin und Brandenburg. Darunter waren neben einer weiteren Attacke auf Tesla im Jahr 2021 auch Brandstiftungen auf die Stromversorgung von Bahntrassen und Funksendemasten. Die Gruppe hat sich demnach 2011 gegründet.
Der Berliner Verfassungsschutz ging 2019 von einer gefestigten Struktur der Terrorgruppe aus. Aufgrund der Bekennerschreiben gehe man zumindest zum Teil von einem identischen Autorenkreis aus. Vermutlich sind daher auch die Anschläge häufig von denselben Tätern begangen worden. Der Inlandsgeheimdienst schrieb in seinem Bericht zu den Sabotageakten: „Auf diese Weise soll die Funktionsweise des ‚kapitalistischen Alltags‘ durchbrochen und Menschen zum Innehalten genötigt werden.“
Allerdings ist den Ermittlern bisher kaum etwas, das über die Bekennerschreiben hinaus geht, über die linksextreme Gruppe bekannt. Auch nach 15 Jahren krimineller Aktionen konnten sie keinen Täter festnehmen.
Der Name variiert je nach Anschlag
Laut dem Extremismusexperten der Konrad-Adenauer-Stiftung, Felix Neumann, sabotiere die Organisation mit Absicht auch zehntausende Privathaushalte. „Die Gruppe möchte verdeutlichen, wie fragil die Kommunikation und das öffentliche Leben ist“, sagte er im Frühjahr 2024 nach dem zweiten Anschlag auf Tesla.

Auffällig ist, daß die „Vulkangruppe“ ihren Namen in den Bekennerschreiben je nach Anschlag variiert. So nannte sie sich unter anderem „Vulkangruppe gegen den Fortschritt der Zerstörung“, „Vulkangruppe Shut Down The Power“ oder „Vulkangruppe Tesla abschalten!“
Ob das darauf schließen läßt, daß es unter dem Dach der Linkterroristen mehrere verschiedene Gruppen gibt, wissen die Ermittler nicht. Möglich ist auch, daß er Name anlaßbezogen geändert wird. Beim aktuellen Anschlag auf die Kabelbrücke im Berliner Südwesten haben die Urheber den Zusatz „Den Herrschenden den Saft abdrehen“ gewählt. (fh)





