LONDON. Die ehemalige britische Innenministerin Suella Braverman hat am Montag ihren Wechsel von den konservativen Tories zur Reform UK bekanntgegeben. „Die Einwanderung ist außer Kontrolle geraten. Unsere öffentlichen Dienste sind am Boden. Die Menschen fühlen sich nicht sicher“, sagte sie auf einer Veranstaltung der Partei von Nigel Farage.
Den Tories warf sie vor, daß sie nicht das Richtige für die Bürger getan hätten, als sie die Möglichkeit dazu hatte. „Wir können entweder diesen Weg des kontrollierten Niedergangs bis zur Schwäche und Kapitulation weitergehen. Oder wir können unser Land wieder in Ordnung bringen, unsere Macht zurückgewinnen, unsere Stärke wiederentdecken.“ Farage, der Vorsitzender von Reform UK ist, sei hingegen der einzige Politiker, der sich traue, zu sagen, „daß Großbritannien gebrochen ist“. Dafür würden ihn die Briten unterstützen.
Labour nennt Farages Partei „Neuauflage der schlimmsten Tory-Auswüchse“
Braverman war 30 Jahre Mitglied und seit 2015 Abgeordnete der Tories im Unterhaus. Zwischen 2022 und 2023 übernahm sie das Amt als britische Innenministerin. Sie wurde schließlich von ihrem Posten enthoben, nachdem sie in einem Zeitungsartikel der Polizei vorgeworfen hatte, nicht hart genug gegen pro-palästinensische Demonstrationen vorzugehen. Mit ihrem Übertritt steigt die Zahl der Abgeordneten von Reform UK im Unterhaus auf acht. Insgesamt gehören der Kammer 630 Mitglieder an.
Mit Braverman sind bereits vier amtierende Abgeordnete der Konservativen seit der vergangenen Wahl im Jahr 2024 in Reform UK eingetreten. Scharfe Kritik kam von der sozialdemokratischen Labour-Partei auf der Plattform X. Sie teilte mit, Reform UK werde zu „einer Neuauflage der schlimmsten Auswüchse der Konservativen Partei“.
New logo. Same old faces. Reform UK has become a rehash of the worst of the Conservative Party. pic.twitter.com/pt2bavYJjj
— The Labour Party (@UKLabour) January 26, 2026
Statement der Ex-Partei Bravermans sorgte für Kritik
Wenig überrascht zeigten sich dagegen die Tories. In einem Schreiben an Journalisten schrieb die Tory-Parteizentrale, Bravermans Übertritt sei „eine Frage der Zeit“ gewesen. „Die Konservative Partei tat alles, um auf ihre psychische Verfassung zu achten, aber sie war offensichtlich sehr unglücklich“, hieß es darin.
Zugleich warfen sie ihr mit Blick auf ihre bisherigen gescheiterten Parteivorsitz-Kandidaturen vor, mit dem Eintritt in Reform UK ihre „persönlichen Ambitionen“ befriedigen zu wollen. Nach deutlicher Kritik zog die Parteizentrale das Statement zurück. „Daß die Tories jetzt ihre psychische Gesundheit angreifen, ist unterhalb der erwarteten Standards“, schrieb etwa der Staatssekretär für Migration, Mike Tapp, von der regierenden Labour. (JF)






