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Droht der Denkmalsturz?: In Köln wankt der Kaiser

Droht der Denkmalsturz?: In Köln wankt der Kaiser

Droht der Denkmalsturz?: In Köln wankt der Kaiser

Das Reiterstandbild von Kaiser Wilhelm I. auf der Hohenzollernbrücke in Köln Foto: picture alliance / Geisler-Fotopress | Christoph Hardt/Geisler-Fotopress
Das Reiterstandbild von Kaiser Wilhelm I. auf der Hohenzollernbrücke in Köln Foto: picture alliance / Geisler-Fotopress | Christoph Hardt/Geisler-Fotopress
Das Reiterstandbild von Kaiser Wilhelm II. auf der Hohenzollernbrücke in Köln Foto: picture alliance / Geisler-Fotopress | Christoph Hardt/Geisler-Fotopress
Droht der Denkmalsturz?
 

In Köln wankt der Kaiser

Wer mit der Bahn nach Köln kommt, den begrüßt bei der Einfahrt in den Hauptbahnhof das Reiterstandbild von Kaiser Wilhelm II. auf der Hohenzollernbrücke. Doch die Tage des Denkmals für den ersten Kaiser des 1871 gegründeten Deutschen Reiches könnten bald gezählt sein. In der Domstadt soll ein neugegründetes Gremium den Stadtrat über den Umgang mit der Kolonialgeschichte beraten. Das läßt sich die Rheinmetropole in diesem und dem kommenden Jahr insgesamt 20.000 Euro kosten, berichtete unlängst der Kölner Stadt-Anzeiger.

Besetzt ist das zwölfköpfige Gremium unter anderem mit dem Architekten Eli Abeke. Gegenüber der Zeitung machte er keinen Hehl daraus, was er über die Statue des deutschen Monarchen denkt: „Am besten wäre, daß das Denkmal verschwindet. Wir wollen das Thema konfrontativ nach vorne schieben, auch über den Stadtrat.“ Denn das Reiterstandbild stehe „für die frühere Kolonialmacht, es ruft sofort in Erinnerung, in welcher Form Macht damals ausgeübt wurde“.

Etwas vorsichtiger äußerte sich die Afrikanistin der Kölner Universität, Marianne Bechhaus-Gerst: „Ich will hier keine Empfehlungen vorwegnehmen: Vom Denkmalsturz bis zum Einhüllen, bis zu einem Geschichtspfad, der die Rolle des Kaisers erklärt, sind hier verschiedene Optionen denkbar.“ Die Professorin schlug beim Thema Kolonialgeschichte den Bogen über das Kaiserreich hinaus. „Alles, was in Köln Rang und Namen hatte, war in der Kolonialgesellschaft. Bis weit in die NS-Zeit spielte das Thema hier eine riesige Rolle.“

Im Kölner Stadtrat dominieren linke Parteien

Doch nicht nur das Kaiser Wilhelm-Denkmal könnte verschwinden. Das Gremium richtet den Blick auch auf Namen im Stadtbild, die Bezug zum Kolonialismus aufweisen. So könnte dem Stadtrat auch eine Umbenennung des Afrika-Viertels und der Robert-Koch-Straße empfohlen werden.

Das Deutsche Reich verfügte bis zum Ersten Weltkrieg über Kolonien in Afrika. Außerdem besaß es Territorien im heutigen China und Pazifik.

Im Stadtrat stellen die Grünen mit 26 von 90 Mitgliedern die größte Fraktion. Auf Rang zwei folgt die CDU mit 20 Vertretern vor den Sozialdemokraten (19) und der Linkspartei (6).

Angesichts dieser linken Mehrheit scheint es wahrscheinlich, daß eine mögliche Forderung zum Abriß des Denkmals umgesetzt wird. Wie wenig der Stadtführung an den Wahrzeichen der Rheinmetropole liegt, zeigten Überlegungen den Dom aus dem Logo der Stadtverwaltung zu entfernen. (ag)

Das Reiterstandbild von Kaiser Wilhelm II. auf der Hohenzollernbrücke in Köln Foto: picture alliance / Geisler-Fotopress | Christoph Hardt/Geisler-Fotopress
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