CDU-Generalsekretär Paul Ziemiak
CDU-Generalsekretär Paul Ziemiak Foto: picture alliance/dpa | Christoph Soeder

„Geschichtsvergessene Entgleisung“
 

Ziemiak zieht Vorwurf gegen Publizistin Emcke zurück

BERLIN. CDU-Generalsekretär Paul Ziemiak hat seine Vorwürfe gegen die Publizistin Carolin Emcke nach einem gemeinsamen Telefongespräch zurückgenommen. Er hatte ihr eine „geschichtsvergessene Entgleisung“ vorgeworfen. „Miteinander reden ist besser als übereinander. Bin immer besonders sensibel, wenn ich Vergleiche mit Juden höre“, äußerte er sich auf Twitter. Im Kontext der ganzen Rede werde deutlich, daß Emcke Haß und Lügen gegen Juden nicht vergleiche oder verharmlose.

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Emcke engagiere sich nach seiner Ansicht „seit jeher für unsere Demokratie und gegen Antisemitismus.“ Diese klare Haltung wolle er nicht infrage stellen. Eine differenzierte Auseinandersetzung erfordere bei diesem Thema meistens mehr Raum als einen Tweet – das nehme er sich zu Herzen, räumte er ein.

Nicht „Juden“ und „Kosmopoliten“, sondern „Klimaforscherinnen“

Grund für die Aufregung war eine Videobotschaft Emckes beim Grünen-Parteitag am Freitag. „Die radikale Wissenschaftsfeindlichkeit, die zynische Ausbeutung sozialer Unsicherheit, die populistische Mobilisierung und die Bereitschaft zu Ressentiment und Gewalt werden bleiben. Es wird sicher wieder von Elite gesprochen werden. Und vermutlich werden es dann nicht die Juden und Kosmopoliten, nicht die Feministinnen oder die Virologinnen sein, vor denen gewarnt wird, sondern die Klimaforscherinnen“, sagte sie. Dabei deutete sie bei dem kritisierten Zitat Gänsefüßchen in der Luft an, etwa vor der Formulierung „Eliten“ oder „Juden und Kosmopoliten“.

Mittlerweile gelöschter Tweet von Paul Ziemiak
Mittlerweile gelöschter Tweet von Paul Ziemiak

Am Samstag reagierte Ziemiak auf Emckes Beitrag und schrieb auf Twitter: „Das ist eine unglaubliche und geschichtsvergessene Entgleisung auf dem Parteitag der Grünen. Ich erwarte von Annalena Baerbock dazu heute absolute Klarheit!“ Beim Thema Antisemitismus dürfe es keinen Raum für Interpretationen geben. Da gebe es nur Klartext. Der Eintrag ist mittlerweile gelöscht.

Daraufhin erntete Ziemiak von mehreren Seiten Kritik. So entgegnete etwa die Bundestagsabgeordnete Anke Domscheit-Berg (Linkspartei): „Dachte, ich spinne, als ich Carolin Emcke und Antisemitismus in einem Satz las heute. Was für eine irre Unterstellung.“ Sie kenne wenige Leute, die ein so „stabiles Wertegerüst“ haben, wie Emcke.

 

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(hl)

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