Die SED-Opferbeauftragte Evelyn Zupke stellt ihren ersten Tätigkeitsbericht vor Foto: picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild | Britta Pedersen
Die SED-Opferbeauftragte Evelyn Zupke stellt ihren ersten Tätigkeitsbericht vor Foto: picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild | Britta Pedersen

Jahrestag des Mauerfalls
 

SED-Opferbeauftragte: Einstige Kämpfer für Freiheit dürfen nicht ins Abseits geraten

BERLIN. Die SED-Opferbeauftragte Evelyn Zupke hat davor gewarnt, die noch lebenden Opfer der DDR zu vergessen. „Wer in der SED-Diktatur für Freiheit und Selbstbestimmung gekämpft hat, darf in der heutigen demokratischen Gesellschaft nicht ins Abseits geraten“, sagte sie laut der Nachrichtenagentur AFP anläßlich der Übergabe ihres ersten Tätigkeitsberichts an Bundestagspräsidentin Bärbel Bas (SPD).

Zupke lobt einerseits wichtige Verbesserungen für die Leidtragenden der sozialistischen Diktatur, die vom Bundestag in den vergangenen Jahren beschlossen worden seien. Andererseits scheiterten aber viele Verfahren zur Anerkennung der Gesundheitsschäden als Folge der erlittenen Repressionen. Oftmals gelinge des den Opfern nicht, „den geforderten kausalen Zusammenhang“ zwischen der Unterdrückung und ihren heutigen Leiden nachzuweisen. „Gemeinsam müssen wir verhindern, daß die Opfer an den Hürden der Bürokratie scheitern“, betonte sie.

Die bisherige Praxis der mitunter jahrelangen Begutachtungsverfahren sei den SED-Opfern „nicht länger zuzumuten“. Sie plädiere daher für eine Vereinfachung.

Opferbeauftragte plädiert für Stärkung der Erinnerungskultur

In ihrem Bericht fordert sie unter anderem die Einrichtung eines bundesweiten Härtefallfords. „Zur Zeit der deutschen Teilung und seit der Wiedervereinigung sind viele SED-Opfer von Ost- nach Westdeutschland gezogen. Aufgrund ihres aktuellen Wohnsitzes haben sie keine Möglichkeit, Unterstützung durch die Härtefallfonds, die in einem Teil der ostdeutschen Länder bestehen, zu erhalten“, begründete Zupke ihren Vorstoß in dem Bericht.

Am Jahrestag des Mauerfalls am 9. November 1989 warb Zupke für eine Stärkung der Erinnerung an die Opfer des Kommunismus. Dazu solle unter anderem eine Auswahl von Gedenkorten von nationaler Bedeutung und die Berücksichtigung der digitalen Vermittlung in Richtung jüngerer Generationen“ in den Blick genommen werden. Zudem müßten zur Erforschung der SED-Diktatur bereits bestehende Projekte verlängert und langfristig gesichert werden.

Am Abend des 9. November 1989 hatte die DDR bekannt gegeben, daß Reisen ins Ausland ohne Vorlage von Reiseanlässen möglich seien. Die überforderten Polizisten öffneten daraufhin angesichts der Menschenmassen an der Grenze ungeplant die Mauer. Auch aus Westdeutschland machten sich Menschen auf den Weg in die bis dahin geteilte Stadt, darunter auch JF-Redakteure der ersten Stunde. (ag)

Die SED-Opferbeauftragte Evelyn Zupke stellt ihren ersten Tätigkeitsbericht vor Foto: picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild | Britta Pedersen
Probeabo JF 2021 Gratis lesen

Wenn Ihnen der Artikel gefallen hat: Unterstützen Sie die JF mit einer Spende.

Der nächste Beitrag

ähnliche Themen
aktuelles