Der Chef des RKI, Lothar Wieler (l.), und Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) (r.): Migrantenanteil unter Corona-Intensivpatienten sei ein Tabu Foto: picture alliance / REUTERS | POOL New
Der Chef des RKI, Lothar Wieler (l.), und Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) (r.): Migrantenanteil unter Corona-Intensivpatienten sei ein Tabu Foto: picture alliance / REUTERS | POOL New

„Es ist ein Tabu“
 

RKI-Chef: Großteil der Corona-Intensivpatienten hat Migrationshintergrund

BERLIN. Der Großteil der Corona-Patienten auf den Intensivstationen hat einen Migrationshintergrund. Das zeige „sehr deutlich, daß es offensichtlich eine Gruppe gibt, die die Politik mit Corona-Warnungen überhaupt nicht erreicht. Das sind Menschen mit Migrationshintergrund“, sagte der Chef der Lungenklinik Moers, Thomas Voshaar, laut Bild-Zeitung Mitte Februar in einer Telefonkonferenz von Chefärzten mit dem Chef des Robert-Koch-Instituts, Lothar Wieler.

Vorshaar habe weiter ausgeführt: „Nach meiner Erhebung hatten immer über 90 Prozent der intubierten, schwerst kranken Patienten einen Migrationshintergrund. Wir haben uns intern darauf geeinigt, daß wir solche Kranke als ‘Patienten mit Kommunikationsbarriere’ bezeichnen wollen.“ Der Leiter der Klinik berief sich demnach auf Auswertungen von November 2020 bis Januar 2021.

Voshaar habe auch Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) über seine Erkenntnisse informiert. Auf Nachfrage der Bild habe ein Regierungssprecher jedoch erklärt, das Thema sei auf den Corona-Gipfeln von Bund und Ländern nicht besprochen worden. Spahn soll seine Informationen nicht ans Kanzleramt weitergeleitet haben.

RKI-Chef: „Das ist ein echtes Problem“

RKI-Chef Wieler habe betont: „Ich habe das genauso gehört. Aber es ist ein Tabu. Ich habe versucht, auf bestimmte Menschen zuzugehen. Wir müssen über Imame auf diese Religionsgruppe eingehen. Das Ganze hat für Berlin riesige Auswirkungen. Das ist ein echtes Problem“, zitiert ihn die Bild-Zeitung.

Wieler erinnerte demnach an den Fall der Mutter eines Clan-Chefs, die im vergangenen Jahr in einer Berliner Klinik mit Corona verstorben war. Er klagte über Parallelgesellschaften. „Wenn man dort etwas ausrichten will, klappt das nur mit beinharter Sozialarbeit in den Moscheen. Und da kommen wir nicht rein. Und das ist Mist. Diese Gruppe besteht aus vier Millionen Menschen in Deutschland. Das entspricht einem Anteil von 4,8 Prozent. Auf den Intensivstationen liegen aber deutlich über 50 Prozent aus dieser Gruppe.“

Am Mittwoch beraten die Ministerpräsidenten und die Bundesregierung erneut über das weitere Vorgehen in der Corona-Krise. Laut Medienberichten ist eine Verlängerung des Lockdowns bis zu den Osterferien Ende März geplant. Die Einschränkungen des öffentlichen und wirtschaftlichen Lebens in Deutschland gelten seit dem 2. November. (ag)

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