Joachim Kuhs
Lockdown
Wegen steigender Infektionszahlen bestehen in einigen Regionen Deutschlands bereits nächtliche Ausgangsverbote Foto: picture alliance/dpa | Moritz Frankenberg

Ausgangssperre und Beschränkungen
 

Umfragen sehen Mehrheit für härteren Lockdown

BERLIN. Eine Mehrheit der Deutschen befürwortet laut Umfragen schärfere Corona-Maßnahmen. Wie eine Erhebung von Infratest dimap für den ARD-Deutschlandtrend ergeben hat, unterstützten 67 Prozent der Befragten einen härteren Lockdown.

Die derzeitigen Corona-Beschränkungen gehen der Hälfte der Deutschen (48 Prozent) nicht weit genug. Das sind 16 Prozentpunkte mehr als bei der vergangenen Umfrage im März. 24 Prozent halten die Maßnahmen für ausreichende, weiteren 24 Prozent sind sie zu stark.

Laut einer weiteren Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov sprechen sich wegen der steigenden Infektionszahlen 56 Prozent der Deutschen für landesweite nächtliche Ausganssperren aus, berichtet die Nachrichtenagentur dpa. 37 Prozent sind dagegen und sieben Prozent machten keine Angaben.

AfD-Anhänger lehnen Ausgangsverbot ab

Die Befürwortung beziehungsweise Ablehnung solcher Maßnahmen ist jedoch stark altersabhängig. Unter den 18- bis 24jährigen sind 36 Prozent dafür, bei den über 55jährigen hingegen halten 66 Prozent ein solches Verbot für sinnvoll.

Bis auf die Anhänger der AfD finden die Wähler aller anderen Parteien eine nächtliche Ausgangssperre richtig. Am stärksten fiel dies mit 71 Prozent im Lager der Union aus, gefolgt von den Anhängern der Grünen (70 Prozent) und der SPD (69 Prozent). Auch die Wähler von Linkspartei (60 Prozent) und FDP (53 Prozent) unterstützen eine solche Maßnahme mehrheitlich. Die Anhänger der AfD hingegen sind zu 56 Prozent gegen nächtliche Ausgehverbote.

Unterdessen fordert der Virologe der Berliner Charité, Christian Drosten, die Regierung zum Handeln auf. „Wir werden um einen ernsthaften Lockdown nicht herumkommen“, sagte Drosten dem Spiegel.

„Daß gegen diese aggressivere Variante ein Teillockdown mit abgestuftem Maßnahmenkatalog nicht durchgreift, haben wir in Paris und London gesehen: Die Inzidenz ist dort immer weiter gestiegen wie auch die Zahl der schweren und oft auch tödlichen Krankheitsverläufe.“ Noch gebe es die Chance, einen solchen Verlauf in deutschen Großstädten abzuwenden. „Dazu ist jetzt aber politisches Handeln und auch die Unterstützung möglichst vieler Menschen notwendig.“

Zufriedenheit mit Corona-Politik sinkt stark

In Deutschland gelten seit Anfang November vergangenen Jahres wieder verschiedene Corona-Beschränkungen. Sie wurden seitdem mehrfach verlängert und teilweise verschärft. Ursprünglich wollte die Bundesregierung über die Ostertage von Gründonnerstag bis einschließlich Ostermontag einen weitgehenden Total-Lockdown verhängen. Nach massiver Kritik und Protesten ruderte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) jedoch zurück und kassierte die von ihr maßgeblich auf den Weg gebrachte Entscheidung wieder.

Auch deshalb sinkt die Akzeptanz der Bürger für die Corona-Politik von Bund und Ländern derzeit rapide. Laut dem Deutschlandtrend von Infratest Dimap im Auftrag der ARD und der Welt sind 79 Prozent der Deutschen „weniger zufrieden“ oder „gar nicht zufrieden“ mit der Art und Weise, wie die Regierung mit der Pandemie umgeht.

Von den 19 Prozent, die hingegen zufrieden sind, ist lediglich ein Prozent „sehr zufrieden“.  Damit sank die Zustimmung innerhalb von zwei Monaten um 23 Prozentpunkte. (krk)

Wegen steigender Infektionszahlen bestehen in einigen Regionen Deutschlands bereits nächtliche Ausgangsverbote Foto: picture alliance/dpa | Moritz Frankenberg
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