Die Bundeszentrale für politische Bildung gerät wegen der "Kartoffel"-Bezeichnung von Deutschen in die Kritik Foto: picture alliance / Flashpic | Jens Krick
Die Bundeszentrale für politische Bildung gerät wegen der „Kartoffel“-Bezeichnung von Deutschen in die Kritik Foto: picture alliance / Flashpic | Jens Krick

Behörde sorgt für Empörung
 

Bundeszentrale für politische Bildung nennt Deutsche „Kartoffeln“

BERLIN. Ein Beitrag der Bundeszentrale für politische Bildung (BpB) in den sozialen Medien, in dem sie Deutsche als „Kartoffeln“ bezeichnet, hat für scharfe Kritik gesorgt. „Eine ganze Bevölkerungsgruppe aufgrund ihrer Herkunft oder Hautfarbe als ‘Kartoffeln’ abzuwerten, geht gar nicht und leistet der Spaltung unserer Gesellschaft Vorschub. Gerade die Bundeszentrale für Politische Bildung sollte hier eine besondere Sensibilität an den Tag legen“, sagte der Hamburger CDU-Chef Christoph Ploß der Bild-Zeitung.

Bundestagsvizepräsident Wolfgang Kubicki (FDP) warf der BpB vor, „unverantwortlich“ zu handeln, indem sie Deutschen automatisch Rassismus unterstelle. „Sollte diese Herangehensweise nicht unverzüglich abgestellt werden, muß die Rolle der Bundeszentrale für politische Bildung auf den Prüfstand“, forderte er gegenüber dem Blatt.

Am Mittwoch hatte die BpB auf Instagram geschrieben, auch Deutsche könnten für Ausländer Verbündete im Kampf gegen Rassismus sein. Sie verwies auf den Autor Mohamed Amjahid, demzufolge sich Deutsche mit ihren angeblichen Privilegien auseinandersetzen müßten. Wenn Deutsche auf diese Weise hart an sich arbeiteten, könnten sie zu „Süßkartoffeln“ werden. „Diese Arbeit an uns selbst ist jedoch unabdingbar, wenn wir in einer gerechten und inklusiven Gesellschaft leben wollen“, folgerte die BpB.

 Bundeszentrale bekommt 97 Millionen Euro Steuergeld

Für den Beitrag erntete die Behörde auch auf Instagram Widerspruch. Ein Nutzer fragte, was „dieses rassistische Statement mit politischer Bildung zu tun“ habe. In einem anderen Kommentar wurde daran erinnert, daß die BpB von Steuergeldern finanziert wird.

Ein Nutzer kritisiert den Beitrag der Bundeszentrale für politische Bildung Foto: Instagram Screenshot
Ein Nutzer kritisiert den Beitrag der Bundeszentrale für politische Bildung Foto: Instagram Screenshot

Die 1952 gegründete BpB hatte 2019 laut Bundeshaushalt ein Budget von 64,7 Millionen Euro. Wie die Neue Zürcher Zeitung berichtete, wurde es vom Bundesinnenministerium aufgestockt und liegt im laufenden Jahr bei rund 97 Millionen Euro. Unter anderem seien damit Projekte gegen Rechtsextremismus und Rassismus ausgebaut worden.

Unterdessen distanzierte sich das Bundesinnenministerium von dem Beitrag. Ein Ministeriumssprecher kündigte an, das entsprechende Projekt der BpB werde überprüft.

Bundeszentrale verharmlost Linksextremismus

Der von der BpB zitierte Amjahid, der unter anderem für die taz schreibt, ist Verfasser des Buches „Der weiße Fleck“. Darin schildert er laut Bild-Zeitung, daß Weiße zu seinem engeren Freundeskreis keinen Zutritt hätten.

Erst Anfang des Jahres war die BpB wegen eines Dossiers zum Thema Linksextremismus in die Schlagzeilen geraten. Darin hieß es: „Im Unterschied zum Rechtsextremismus teilen sozialistische und kommunistische Bewegungen die liberalen Ideen von Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit – interpretieren sie aber auf ihre Weise um.“ Nach anhaltender Kritik änderte sie den Text.

Seit dem Jahr 2000 ist der frühere SPD-Bundestagsabgeordnete Thomas Krüger (SPD) Präsident der Bundeszentrale. Immer wieder gab es Vorwürfe der Vetternwirtschaft sowie der politischen Einseitig gegen Krüger. (ag)

Die Bundeszentrale für politische Bildung gerät wegen der „Kartoffel“-Bezeichnung von Deutschen in die Kritik Foto: picture alliance / Flashpic | Jens Krick
Probeabo JF 2021 Gratis lesen

Wenn Ihnen der Artikel gefallen hat: Unterstützen Sie die JF mit einer Spende.

Der nächste Beitrag

ähnliche Themen
aktuelles