AfD hält am Wochenende Parteitag in Dresden ab
AfD hält am Wochenende Parteitag in Dresden ab Foto: picture alliance / REUTERS | Michele Tantussi

Weidel weiter zurückhaltend
 

Bundestagswahl: AfD-Politiker lehnen einzelnen Spitzenkandidaten ab

BERLIN. Die AfD in Hessen hat Überlegungen zurückgewiesen, wonach die Partei im Bundestagswahlkampf mit nur einem Spitzenkandidaten antreten solle. Gleichzeitig sprach sich der Landesvorstand für eine Nominierung der hessischen Bundestagsabgeordneten Joana Cotar als Spitzenkandidatin aus.

„Wir sind davon überzeugt, daß Frau Cotar einen großen Beitrag dazu leisten kann, unsere Partei zu einem starken Ergebnis zu führen“, teilte der hessische Landesvorstand am Donnerstag mit. „Wir würden ein Spitzenduo Cotar und Tino Chrupalla (AfD-Bundestagsfraktionschef aus Sachsen, Anm.) begrüßen und wünschen beiden im Falle ihrer Nominierung viel Glück und Erfolg.“

Zuvor hatte der stellvertretende Landesvorsitzende der AfD in Sachsen, Siegbert Droese, gefordert, die Nummer eins bei der Besetzung der Spitzenposition müsse ein Kandidat aus den östlichen Bundesländern sein. Die Ost-Landesverbände hätten zuletzt die deutlich besseren Wahlergebnisse erreicht als jene in den westlichen Ländern, zitierten ihn die Dresdner Neueste Nachrichten. „Ich könnte mit Tino Chrupalla als alleinigen Spitzenkandidaten sehr gut leben“, ergänzte der Bundestagsabgeordnete.

AfD in Hessen und Rheinland-Pfalz für Spitzenduo

Der hessische Co-Landesvorsitzende Robert Lambrou wies dies gegenüber der JUNGEN FREIHEIT zurück. „Ich bin für eine Doppelspitze, die alle wesentlichen Strömungen der Partei repräsentiert. Ein einzelner Spitzenkandidat wird das in der aktuellen Situation der Partei vermutlich gar nicht leisten können.“ Die Partei sei bei der Bundestagswahl 2017 „mit einer breit aufgestellten Doppelspitze sehr gut gefahren. Warum sollten wir dieses bewährte Verfahren jetzt ändern?“

Ähnlich sieht das der rheinland-pfälzische Landesvorsitzende Michael Frisch. Er sagte dieser Zeitung: „Ich lehne eine Einzelspitze für die Bundestagswahl ab. Neben Tino Chrupalla könnte ich mir Joana Cotar als junge, weibliche Spitzenkandidatin aus dem Westen sehr gut vorstellen.“

Urban: „Können sowohl mit Einzel- als auch mit Doppelspitze leben“

AfD-Landeschef Jörg Urban stellte gegenüber der JF klar: „Der Landesvorstand Sachsen kann sowohl mit einer Einzel- als auch mit einer Doppelspitze leben.“

Das ebenfalls aus Sachsen stammende Bundesvorstandsmitglied Carsten Hütter sagte der JF, er wünsche sich ein Spitzenteam. „Meine Wahrnehmung ist, die Mehrheit in der Partei ebenfalls.“ Droeses Vorstoß sei mit dem Landesvorstand nicht abgestimmt gewesen. „Ich halte es für eine Einzelmeinung.“

Weidel will Entscheidung während Parteitag bekannt geben

Unterdessen teilte ein Sprecher von AfD-Bundestagsfraktionschefin Alice Weidel am Donnerstag gegenüber der JF mit, daß sie sich am Sonnabend vormittag während des Bundesparteitags in Dresden zu der Frage erklären werde, ob sie wieder als Spitzenkandidatin antreten möchte oder nicht. Darüber war in den vergangenen Wochen immer wieder spekuliert worden.

Parteiinterne Kritiker werfen ihr vor, in der Spendenaffäre zu stark belastet zu sein. Zudem habe sie Einladungen zu TV-Auftritten abgelehnt und fehle regelmäßig bei wichtigen Sitzungen. Weidels Sprecher wies das zurück. „Das sind vollkommen haltlose Vorwürfe ohne jede Substanz. Hier werden aus der Anonymität heraus unbelegte Gerüchte gestreut, um eine erfolgreiche Politikerin zu diskreditieren.“ (ls)

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