Der Islamkritiker Hamed Abdel-Samad zieht sich von der Islamkonferenz zurück (Archivbild) Foto: picture alliance / Sven Simon
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Aus Protest gegen Umgang mit Ditib

Islamkritiker Abdel-Samad verläßt Islamkonferenz

BERLIN. Der Islamkritiker Hamed Abdel-Samad hat seinen Rückzug aus der Islamkonferenz bekanntgegeben. Als Grund gab er die unkritische Haltung der Bundesregierung gegenüber den traditionalistischen Islamverbänden an. „Der Staat biedert sich an den Vertretern des politischen Islam in dieser Konferenz an und ignoriert alle Warnungen und Vorschläge der kritischen Stimmen“, schrieb er auf Facebook. Zudem wolle die Regierung keine Kritik gegenüber den islamischen Organisationen hören.

Abdel-Samad führte weiter aus: „Als ich vor zehn Jahren in dieses Forum eingeladen wurde, hatte ich die Hoffnung, Teil eines ehrlichen Dialogs über den Islam in Deutschland zu werden. Doch seit dieser Zeit konnten die Islamverbände alle kritischen Themen, die die kritischen Stimmen auf den Tisch gebracht haben, wie etwa das Thema Radikalisierung von jungen Muslimen oder die Stellung der Frau, aus der Tagesordnung verbannen.“ So seien nur Themen übriggeblieben, die für die Gesamtgesellschaft keine Bedeutung hätten.

Den Verbanden warf er vor, es gehe ihnen ohnehin nur um Geld vom Staat. Auf der anderen Seite wüßten dessen Vertreter gar nicht, was sie von den Islamorganisationen wollten.

Seehofer eröffnet Islamkonferenz

Der Islamkritiker machte die Islamkonferenz für die Aufwertung des türkischen Moscheevereins Ditib verantwortlich. Diesem gehe es um den Aufbau eines Kultes um den türkischen Ministerpräsidenten Recep Tayyip Erdogan und die Stärkung des politischen Islam.

Abdel-Samad warnt seit Jahren vor dem Einfluß orthodoxer islamischer Gruppen in Deutschland. Wegen Morddrohungen steht er unter Polizeischutz.

Unterdessen eröffnete Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) am Dienstag die diesjährige Islamkonferenz. Dabei bat er die Imame in Deutschland, beim Kampf gegen moslemische Fanatiker mitzuwirken. Eines der Themen ist in diesem Jahr die Ausbildung deutscher Imame. In dem Zusammenhang forderte er die Türkei auf, weniger Prediger zu entsenden. Es bedürfe keiner Einflußnahme von außen, wenn Moslems Europa zu ihrer Heimat machten“, sagte der Politiker laut ARD. Dennoch werde die Zusammenarbeit mit Ditib fortgesetzt.

Die Deutsche Islamkonferenz wurde 2006 auf Initiative des damaligen Bundesinnenministers Wolfgang Schäuble (CDU) ins Leben gerufen. Sie soll den Staat in einen Dialog mit den in Deutschland lebenden Moslems bringen. (ag)

Der Islamkritiker Hamed Abdel-Samad zieht sich von der Islamkonferenz zurück (Archivbild) Foto: picture alliance / Sven Simon

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