Blumen und Kerze für die Opfer von Hanau
Blumen und Kerzen für die Opfer von Hanau (Archivbild) Foto: picture alliance/Dorothee Barth/dpa
Verschwörungsmythen und Paranoia

Bundeskriminalamt stuft Bluttat von Hanau nicht als rechtsextrem ein

KARLSRUHE. Ermittler des Bundeskriminalamts (BKA) haben den Amoklauf von Hanau nicht als rechtsextremistische Tat eingestuft. Vielmehr habe der 43 Jahre alte Tobias R. seine Opfer gezielt ausgewählt, um eine möglichst große Aufmerksamkeit für seine Verschwörungsphantasien zu erlangen, berichteten WDR, NDR und Süddeutsche Zeitung am Wochenende. Rassismus sei aber nicht sein Hauptmotiv gewesen.

Ein Sprecher der Bundesanwaltschaft in Karlsruhe, die bei den Ermittlungen in dem Fall federführend ist, kommentierte dies am Montag gegenüber der Nachrichtenagentur dpa nicht. Die polizeilichen Ermittlungen dauerten noch an, hieß es.

Tobias R. war Mitte Februar durch die hessische Stadt Hanau gezogen und hatte neun Personen mit ausländischen Wurzeln erschossen. Später fanden Ermittler ihn und seine Mutter tot in ihrer Wohnung. Die Bundesanwaltschaft hatte wenige Tage nach der Tat mitgeteilt, es lägen „gravierende Indizien für einen rassistischen Hintergrund der Tat vor“.

Kein Bezug zu rechter Ideologie

Zahlreiche Politiker und Journalisten hatten die AfD und rechte Medien in inhaltliche Nähe zum Täter gerückt. Tobias R. hatte auf seiner Website mehrere Dokumente und Videos veröffentlicht. Darin schrieb er unter anderem, er werde von einem Geheimdienst überwacht, genauso wie Tausende andere Deutsche auch. Der Dienst mit US-amerikanischem Hintergrund oder Verbindungen in die Vereinigten Staaten habe die Fähigkeit, sich in die Gehirne von Menschen „einzuklinken“ und sie fernzusteuern.

Zwar finden sich in den Texten auch ausländerfeindliche Passagen, wonach es eine weltweite „Grob-Säuberung“ und eine „Fein-Säuberung“ brauche und die Bevölkerungszahl in Deutschland „halbiert“ werden müsse. Allerdings nahm der Täter keinen Bezug zu rechten oder rechtsextremen Schriften, Denkern, Autoren oder Massenmördern wie den Norweger Anders Breivik oder dem Australier Brenton Tarrant, der im März 2019 in Neuseeland bei einem Anschlag auf zwei Moscheen 51 Menschen tötete.

Ermittler: Rassismus spielte keine dominierende Rolle

Wie der Rechercheverbund weiter berichtete, habe Rassismus in der Weltanschauung von Tobias R. nicht die dominierende Rolle gespielt. Er habe sich vor allem in Verschwörungsmythen rund um Geheimdienste hineingesteigert und habe an Verfolgungswahn gelitten.

Zudem sei der Mann seinen Nachbarn nicht durch rassistische Äußerungen aufgefallen. Es seien auch keine Hinweise gefunden worden, die darauf hindeuten, daß er sich mit rechter Ideologie beschäftigt habe. Ein Abschlußbericht des BKA im Fall Hanau soll demnächst vorliegen. (ls)

Blumen und Kerzen für die Opfer von Hanau (Archivbild) Foto: picture alliance/Dorothee Barth/dpa

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