Anschlag auf Autobahn: Fahrzeug des verdächtigen Irakers
Anschlag auf Autobahn: Fahrzeug des verdächtigen Irakers Foto: Picture alliance/Paul Zinken/dpa-Zentralbild/dpa
Abgelehnter Asylbewerber war polizeibekannt

Autobahn-Anschlag: Iraker randalierte wenige Stunden zuvor auf Straße

BRELIN. Der mutmaßliche Attentäter von der Berliner Stadtautobahn, Sarmad A., hat wenige Stunden vor der Tat nahe seiner Wohnung randaliert. Die Polizei habe am Dienstag vormittag und nachmittag Streifenwagen wegen einer „verwirrten Person“ in den Stadtteil Reinickendorf geschickt, berichtet die Bild-Zeitung. Jedes Mal sei der Verdächtige nicht mehr angetroffen worden.

Nachbarn hatten die Polizei gerufen, weil er aufgewühlt auf Autodächer auf der Straße trommelte und immer wieder in den Verkehr lief, heißt es in dem Bericht. Zeugen zufolge hielt der Iraker seinen Autoschlüssel hoch wie eine Trophäe und rief etwas in arabischer Sprache. Anschließend habe er sich an einer Wasserpumpe gewaschen und zu beten begonnen. Der Hausmeister des Gebäudes, in dem Sarmad A. zusammen mit einem weiteren Mann gewohnt haben soll, beschrieb den mutmaßlichen Islamisten als häufig aggressiv und gewaltbereit. „Er lief oft die Straße hoch und runter, rief dabei lautstark immer wieder ‘Allahu akbar’.“

Der 30 Jahre alte abgelehnte Asylbewerber ist dringend tatverdächtig, am Dienstag abend mit seinem schwarzen Opel zwei Motorradfahrer gerammt zu haben. Dabei war er auch mit anderen Autos kollidiert. Sechs Menschen wurden verletzet, drei davon schwer. Die Attacke ereignete sich auf der Stadtautobahn A100 zwischen Wilmersdorf und einer Anschlußstelle im Stadtteil Tempelhof.

Messer, Munitionskiste und Gebetsteppich

Laut der Berliner Generalstaatsanwaltschaft kam er erst zu stehen, als er ein Motorrad gegen ein anderes Auto drückte. Anschließend sei er ausgestiegen und habe eine alte Munitionskiste auf das Fahrzeugdach gestellt und auf Arabisch gedroht, daß „alle sterben“ würden. Außerdem soll der Einwanderer mehrfach „Allahu akbar!“ gerufen und ein Küchenmesser sowie einen Gebetsteppich bei sich gehabt haben. Bei der späteren Untersuchung der Kiste sowie einer Box im Kofferraum wurden keine Sprengstoffspuren gefunden.

Der mutmaßliche Täter ist 1990 in Bagdad geboren und im März 2016 über Finnland nach Deutschland eingereist. Zwischen 2018 und 2019 habe er in einer Asylunterkunft Kontakt zu einem islamistischen Gefährder gehabt, sagte Generalstaatsanwältin Margarete Koppers laut der Nachrichtenagentur AFP am Mittwoch im Rechtsausschuß des Abgeordnetenhauses. Zudem sei er wegen mehrerer Körperverletzungsdelikte aufgefallen.

Seit Mittwoch abend befindet sich Sarmad A.in einer geschlossenen psychiatrischen Einrichtung untergebracht. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm versuchten Mord und gefährlichen Eingriff in den Straßenverkehr in drei Fällen vor. Obwohl sein Asylantrag abgelehnt wurde, besaß er eine bis Ende des Jahres gültige Duldung in Deutschland.

Abgelehnter Asylbewerber schrieb vor Autobahn-Anschlag auf Facebook

Laut Bild-Zeitung hatte er zwei Stunden vor dem Anschlag ein Foto auf Facebook veröffentlicht, auf dem er vor seinem Auto posiert. Auch habe er religiöse Sprüche auf Arabisch geschrieben. Mit islamistischen Aussagen in dem sozialen Netzwerk sei er seit 2019 regelmäßig aufgefallen.

Die SPD im Berliner Abgeordnetenhaus wies unterdessen Vorwürfe zurück, die rot-rot-grüne Regierung habe in Sachen Sicherheit in der Stadt zu wenig unternommen. Der innenpolitische Sprecher der SPD, Frank Zimmermann, sagte am Donnerstag im RBB, Gefährder würden jetzt schon abgeschoben und die Terrorabwehr in Berlin sei in den vergangenen zwei Jahren deutlich verstärkt worden. Die Regierung werde aber weiter darauf achten müssen, daß es ausreichend gesetzliche Grundlagen für entsprechende Eingriffe gebe.

Der Fraktionsvorsitzende der AfD im Abgeordnetenhaus, Georg Pazderski, hatte dem Senat „Multikulti-Gekuschel“ vorgeworfen und forderte die Abschiebung islamistischer Gefährder. CDU-Fraktionschef Burkhard Dregger sagte, SPD, Linkspartei und Grüne hätten die Sicherheitskräfte geschwächt und verwies auf das vor einigen Wochen beschlossene Landesantidiskriminierungsgesetz. (ls)

Anschlag auf Autobahn: Fahrzeug des verdächtigen Irakers Foto: Picture alliance/Paul Zinken/dpa-Zentralbild/dpa

Unterstützung

Wenn Ihnen der Artikel gefallen hat: Unterstützen Sie die JF mit einer Spende.

Der nächste Beitrag

aktuelles