Mitarbeiter der Stadtreinigung beseitigen in Frankfurt die Spuren der Krawallnacht Foto: picture alliance/Frank Rumpenhorst/dpa
„Menschen brauchen Freiraum“

Krawalle in Frankfurt: Grüne Jugend ruft nach Sozialarbeitern

FRANKFURT/MAIN. Nach der Randale in Frankfurt hat die Grüne Jugend vor zu harten Maßnahmen und Reaktionen gewarnt. „Repression und Verbote werden die Bilder aus Stuttgart und Frankfurt nur wiederholen. Damit das nicht passiert, braucht es öffentliche Räume, in denen junge Menschen sich treffen können – und Sozialarbeiter*innen, die Situationen deeskalieren können“, schrieb der Parteinachwuchs der Grünen auf Twitter. Menschen bräuchten Freiraum.

Twitter

Mit dem Laden des Tweets akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von Twitter.
Mehr erfahren

Inhalt laden

In der Nacht auf Sonntag hatte ein Mob von Jugendlichen und jungen Männern auf und rund um den Opernplatz in Frankfurt randaliert und dabei auch massiv die Polizei angegriffen. Es gab zahlreiche Festnahmen. Laut Polizei hatte der überwiegende Teil der Gewalttäter einen Migrationshintergrund.

Daß diese Angaben öffentlich gemacht wurden, sorgte teilweise für Kritik. Dies sei „völlig verfehlt“, beklagte der Frankfurter Landtagsabgeordnete Turgut Yüksel (SPD). Der hohe Anteil von Personen mit Migrationshintergrund an der Gesamtbevölkerung sei eine Tatsache, insbesondere in jungen Altersgruppen, ergänzte Yüksel. „Daraus eine Motivation für Kriminalität abzuleiten und die Debatte zu ethnisieren, ist nicht zielführend für präventive Arbeit in der Zukunft.“

Sozialforscher: Wir brauchen kommunikativere Polizei

Auch der Leiter des Instituts für Delinquenz und Kriminalitätsprävention an der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften, Dirk Baier, bezeichnete die Diskussion über die Herkunft der Täter und ihrer Eltern als wenig sinnvoll. Gegenüber tagesschau24 erklärte er, hinter Gewaltausbrüchen wie in Frankfurt stünden andere Ursachen wie Perspektivlosigkeit und anerzogene Männlichkeitsnormen. Statt Stammbäume zu rekonstruieren, müsse man sich auf die aktuellen Probleme der jungen Menschen konzentrieren, die so gewalttätig agieren.

Auch eine Sperrstunde löse die Probleme nicht. Diese verlagerten sich dadurch nur auf andere Stadtviertel. Die jungen Menschen seien weiterhin da. Notwendig sei deshalb eine kommunikativere Polizei, die auf die Menschen zugehe und mit ihnen spreche – und keine aufgerüsteten Beamten, die Konfliktlinien weiter verschärften, warnte Baier.

Baydar: Ereignisse von Frankfurt sind Folge von Racial Profiling

Die Kabarettistin Idil Baydar hingegen führte die Ausschreitungen von Frankfurt auch auf das Verhalten der Polizei zurück. Es gebe ein strukturelles Problem bei der Polizei, sagte Baydar im Deutschlandfunk. „Wir haben Racial Profiling. Das, was am Opernplatz passiert ist, ist ein ganz klares Ereignis und Ergebnis von diesem Racial Profiling.“

Es gebe aber natürlich auch Polizisten, die sich gegen Rassismus einsetzten. Es müsse deshalb endlich eine Studie über Rassimus unter Polizisten geben, forderte Baydar. „Diese Studie soll in erster Linie den guten Beamten helfen, die nicht rassistisch sind, diese rassistischen Polizisten aus dem Dienst zu fegen.“

Einen anderen Vorschlag dagegen machte Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU). „In Deutschland reden ja gerade viele über Polizei-Studien“, sagte er dem Münchner Merkur. „Wir bräuchten nach meiner Überzeugung eine Studie über Gewalt gegen Polizeibeamte.“ Eine solche Untersuchung müsse dabei auch klären, was in Deutschland seit Längerem dazu führe, „daß die Polizei – bis in wichtige Bereiche der Politik und der Medien hinein – so beschimpft und verunglimpft wird?“ (krk)

Mitarbeiter der Stadtreinigung beseitigen in Frankfurt die Spuren der Krawallnacht Foto: picture alliance/Frank Rumpenhorst/dpa

Unterstützung

Wenn Ihnen der Artikel gefallen hat: Unterstützen Sie die JF mit einer Spende.

Der nächste Beitrag

CATCODE: Article_Deutschland