Demonstration auf dem Berliner Alexanderplatz Foto: Martina Meckelein
Black Lives Matter-Demonstrationen in Berlin

Ein Schaulaufen der Antifa

Berlin. Samstag 14 Uhr, Potsdamer Platz – gähnende Leere. Hier sollte eine NPD-Demonstration stattfinden. Doch nur ein paar schwarz gekleidete Radfahrer mit einer einsam im Wind flatternden Antifa-Fahne stehen herum wie bestellt und nicht abgeholt.
Ganz anders das Bild auf dem Berliner Alexanderplatz: Hier geht nichts mehr – rund 15.000 Menschen, ebenfalls in Schwarz, sind zur Silent-Demo gekommen. Doch so still wird es dann doch nicht werden. Und friedlich auch nicht.

„Black Lives Matter“, was soviel heißt wie: schwarze Leben zählen, brüllen die Demonstranten und „Nazis raus!“ Nach dem Tod des US-Afroamerikaners George Floyd in Minneapolis wollen die Demonstranten damit ihre Solidarität gegenüber Farbigen zum Ausdruck bringen. In Corona-Zeiten allerdings etwas schwierig, da der geforderte Abstand von eineinhalb Metern nicht einzuhalten ist. Dafür tragen geschätzt zwei Drittel der meist jugendlichen Demonstranten immerhin eine Maske. Seit dem 30. Mai sind in Berlin Demonstrationen wieder ohne Teilnehmerbeschränkung erlaubt, dafür dürfen auf Beerdigungen nur 50 Gäste trauern.

Der Dresscode ist schwarz

Angemeldet ist die Demonstration auf dem Alexanderplatz mit 1.500 Teilnehmern. Was insofern albern ist, als daß bereits über Facebook sich über 8.000 Menschen zur Teilnahme verabredet hatten. Auch ein Dresscode ist vorgegeben: Möglichst schwarz. Schwarz sind allerdings nur die Klamotten, überhaupt scheinen – auf den Quadratmeter berechnet – mehr Farbige im Berliner Görlitzer Park als jetzt auf dem Alexanderplatz.

Rund eine dreiviertel Stunde nach Beginn muß die Polizei den Platz wegen Überfüllung schließen, Zufahrtsstraßen sind weiträumig für den Verkehr gesperrt, der U-Bahnhof wird nicht angefahren. Und noch immer versuchen Menschen, auf den Platz mit der berühmten Weltzeituhr aus DDR-Zeiten zu gelangen. Und dem „Brunnen der Völkerfreundschaft“ in dessen Mitte.

Indymedia: Wir haben Haß auf das System

Die Jugendlichen klettern auf die Dächer von öffentlichen Toilettenhäuschen, Straßenbahnhaltestellen und Podesten. Sie schwenken Palästinenser-Fahnen und heben Schilder mit den Buchstaben: FCKNZS, gemeint ist: Fuck Nazis, in die Höhe. Die auf dem Boden bleiben, sinken plötzlich in die Knie, Andacht, allerdings nur für Sekunden. Dann klatschen sie alle wie wild in die Hände. Warum? „Ich weiß es nicht, aber es ist schön“, beantwortet ein kicherndes Mädchen im nabelfreien schwarzen, engen T-Shirt die Frage.
Viele Gruppen stehen oder sitzen zusammen. Auf dem Dach der Überführung beim Kaufhaus Galeria Kaufhof versuchen Schwarzvermummte, ein Banner zu entrollen. Für Sekunden ist darauf zu lesen: „Ihr seid der Terror, nicht wir“ und „No Justice No Peace“ und „Antifa“.

Linksextremisten, „teilweise vermummt und mit Fackeln in den Händen“, so die Polizei, hatten in der Nacht zu Freitag in Berlin-Neukölln Schaufensterscheiben an neun Geschäften eingeschlagen, Hauswände beschmiert, Müllcontainer in Brand gesetzt und Autos beschädigt. Angeblich gegen Rassismus und „Polizeiterror“. Mit 70 Beamten war die Polizei im Einsatz, 13 Frauen und sieben Männer wurden gefaßt, später entlassen. Die Polizei ermittelt wegen besonders schweren Landfriedensbruchs. Auf der linksextremen Seite indymedia wurde ein Bekennerschreiben veröffentlicht: „Wir haben Haß auf das System“ ist dort zu lesen.

Dann fliegen doch Steine und Flaschen

Nach gut zwei Stunden ist die Samstags-Demonstration beendet. Doch einige Demonstranten wollen nicht nach Hause gehen, skandieren weiter Parolen, andere stehen Schlange vor McDonald oder beim Döner-Kebap-Imbiß. Zurück bleiben auf dem Platz überquellende Mülleimer und weggeworfene Plakate. Rund zwei Stunden später fliegen Steine und Flaschen am denkmalgeschützten Berolinahaus auf Polizisten. „Es gab vereinzelt verletzte Kollegen und diverse Festnahmen“, so die Polizei.

Die Bilanz am Ende des Tages: 28 leicht verletzte Polizeibeamte, 93 Festnahmen wegen Landfriedensbruchs, Widerstands gegen und Angriffen auf Polizisten, wegen versuchter Gefangenenbefreiung, Hausfriedensbruchs und Verstößen gegen das Infektionsschutzgesetz. Um die Demonstrationen in der Berliner Innenstadt abzusichern, waren rund 800 Polizisten im Einsatz.

 

Demonstration auf dem Berliner Alexanderplatz Foto: Martina Meckelein

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