„Blackfacing“

Volksfest in Hessen: Mohrenfigur ruft Empörung hervor

BIEDENKOPF. Im hessischen Biedenkopf ist ein Volksfest wegen Rassismusvorwürfen unter Beschuß geraten. Unter dem Hashtag „RassismusalsTradition“ attackierten Linke den Grenzgang in den sozialen Netzwerken. Ein Mitglied der Jusos Hessen Nord störte sich an der Figur eines Mohren aus dem Festumzug. Mehrere Videos auf Twitter mit dem Hashtag und Appellen, sie zu verbreiten, zeigten am Donnerstag Wirkung.

Binnen weniger Stunden nahmen Lobbygruppen und Linke die Vorlage auf und befeuerten gegenseitig ihre Empörung über die Zustände in der hessischen Provinz. Es hagelte Rassismusvorwürfe und Beleidigungen gegen die Stadt und ihr Brauchtum, das sich aus dem Abschreiten der Stadtgrenze im 17. Jahrhundert entwickelte und seit dem 19. Jahrhundert als Volksfest begangen wird. Die Figur des „Mohren“ mimt dabei ein Mitglied der Feiergesellschaft, das mit schwarz gemaltem Gesicht in Phantasieuniform dem Umzug vorantanzt. Dabei gilt es als Auszeichnung für die Zuschauer, wenn sie der „Mohr“ umarmt und dabei Farbspuren im Gesicht hinterläßt.

Wenig Verständnis für solche Sitten hat der junge Sozialdemokrat Liban Farah. „Das ist der schlimmste Fall von rassistischem Blackfacing in Deutschland!“ Deshalb forderte er unter anderem den Hessischen Rundfunk, die Frankfurter Allgemeine Zeitung, die Zeit, Tagesschau und Spiegel Online auf, darüber zu berichten.

Linker Historiker will Mohrenfigur abschaffen

Spiegel Online griff den Fall auf und befragte einen Geschichts-Doktoranten der Universität Marburg zu dem Brauchtum. Johannes Häfner, der über die Geschichte des Kolonialismus in Hessen forscht und Mitglied der Linkspartei ist, wollte den Einwohnern Biedenkopfs nicht pauschal Rassismus vorwerfen. Jedoch verkörpere die Figur „rassistische Zuschreibungen“. Es könne daher „gar nicht schnell genug gehen, diese Figur in ihrer aktuellen Form abzuschaffen.“ Da dies derzeit jedoch nicht möglich sei, sollte „Sensibilität“ dafür entwickelt werden, daß „Menschen, die von Rassismus betroffen sind“, sich daran stören.

Während des Auftakts zu den dreitägigen Feierlichkeiten verteidigte der Bürgermeister von Biedenkopf, Joachim Thiemig (SPD), laut dem Nachrichtenportal Mittelhessen den Grenzgang gegen Kritik. „Wir leben unsere Tradition und unser Brauchtum.“ Zugleich betonte er die Offenheit für Veränderungen. Er verwahrte sich gegen Rassismusvorwürfe und dagegen, als ewiggestrig kategorisiert zu werden.

Der Grenzgang findet alle sieben Jahre statt. Ob er 2026 dann noch mit „Mohr“ als Teil des Festprogramms stattfindet, könnte davon abhängen, wie hoch die Wogen der Empörung noch schlagen. (ag)

„Blackfacing“: Die Verkleidung eines Weißen als „Mohr“ hat einem Volksfest in Hessen Kritik in sozialen Medien eingebracht (Symbolbild) Foto: picture alliance/PRO SHOTS

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