Dresden

Politische Tätigkeit: Uni will Patzelt nicht als Seniorprofessor

DRESDEN. Die Technische Universität Dresden hat dem Politikwissenschaftler Werner Patzelt eine Seniorprofessur verweigert. Als Begründung nannte Prodekan Lutz Hagen im MDR unter anderem, Patzelt habe sich politisch zu stark exponiert. Dies sei als Hochschullehrer zwar sein Recht. „Aber viele haben eben den Eindruck, daß er seine politische Tätigkeit nicht hinlänglich von seiner Position als Wissenschaftler trennt.“

Patzelt habe seinen privaten Blog längere Zeit mit dem Impressum der Universität geführt. Zudem arbeitete er Hagen zufolge mit politischen Websites zusammen, „die in sehr polemischer Weise die Kanzlerin angegriffen und mit Josef Goebbels in Verbindung gebracht haben“. Bei vielen sei der Eindruck entstanden, er habe dabei seine Verdienste als empirisch arbeitender Sozialwissenschaftler in die Waagschale geworfen.

Patzelt weist Vorwurf zurück

Die Universitätsleitung fände es überdies problematisch, „daß Herr Patzelt in den Medien mehrfach den Rektor und auch die Wissenschaftsministerin Sachsens in einer Weise angegriffen hat, die falsch ist“, ergänzte Hagen. Die Professur des 65jährigen endet regulär Ende März.

Der Politologe, der unter anderem als AfD- und Pegida-Experte über die Wissenschaft hinaus Bekanntheit erlangte, wies den Vorwurf, er verknüpfe seine wissenschaftliche und politische Rolle in unzulässiger Weise, zurück. „Ich habe keine Rollen vermengt. Ich habe mich immer nur für die freiheitlich-demokratische Grundordnung eingesetzt – auch gegenüber ihren Feinden und Gegnern“, sagte er dem RedaktionsNetzwerk Deutschland.

Gegenüber der Welt räumte er ein, er habe zwar für den „Realo-Flügel“ der AfD mehrfach Referate gehalten. Seine Botschaft an die junge Partei sei aber immer klar gewesen: „Trennt euch von Rassisten und Antisemiten, haltet euch und eure Anhänger vom Extremismus fern, macht euch keine falschen Vorstellungen von direkter Demokratie – und übt eure Oppositionsrolle gemäß den Spielregeln parlamentarischer Demokratie aus.“

Prüffall AfD: Scharfe innerparteiliche Auseinandersetzungen

Was an solchen Ratschlägen kritikwürdig sein solle, wisse er nicht, sagte das CDU-Mitglied. Er habe im Übrigen als Politikwissenschaftler „immer schon verschiedene politische Parteien beraten, in den 1990er-Jahren etwa die PDS und seit Langem die CDU“. Anfang Januar war bekannt geworden, daß Patzelt Co-Vorsitzender der CDU-Programmkommission für die Landtagswahl in Sachsen im September wird.

Patzelt, der als freier Autor auch für die JUNGE FREIHEIT schreibt, zeigte Verständnis für die Entscheidung des Bundesverfassungsschutzes, die AfD zum Prüffall und deren Nachwuchsorganisation Junge Alternative sowie den „Flügel“ zu Verdachtsfällen zu erklären. In der AfD sei seit langem „ein Hochkommen rechtsradikaler Demagogie zu beobachten“. Er rechne nun mit scharfen innerparteilichen Auseinandersetzungen, weil die Parteiführung unter dem Druck des Verfassungsschutzes möglicherweise stärker gegen Radikale vorgehen könnte. Daß der „völkische Flügel“ zurückweiche, erwarte er nicht. Eine Zusammenarbeit zwischen CDU und AfD nach der Wahl im Herbst, schloß der Politologe aus. (ls)

Werner Patzelt: Erlangte als AfD- und Pegida-Experte Bekanntheint Foto: picture alliance/Oliver Killig/dpa-Zentralbild/dpa

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