Der bisherige AfD-Fraktionsvorsitzende, Markus Plenk Foto: picture alliance/Matthias Balk/dpa
Aktualisiert

Bayerischer AfD-Fraktionsvorsitzender will zur CSU wechseln

MÜNCHEN. Der Vorsitzende der AfD-Fraktion im Bayerischen Landtag, Markus Plenk, hat seinen Austritt aus Partei und Fraktion angekündigt. Künftig möchte er in der CSU politisch aktiv werden. „Ich habe es satt, die bürgerliche Fassade einer im Kern fremdenfeindlichen und extremistischen Partei zu sein“, sagte Plenk dem Nachrichtenmagazin Spiegel wie der Bayerische Rundfunk berichtete.

Er habe das Gefühl, „sich mitschuldig zu machen“ an der von Teilen der AfD betriebenen Spaltung der Gesellschaft und der „Zersetzung der Demokratie“. In gemäßigtem Tonfall politische Forderungen zu stellen bringe nichts, wenn andere Parteimitglieder die Grenzen des Sagbaren ständig übertreten würden, beklagte der Oberbayer.

Vorwurf: Fraktion handelte „faschistoid“

Über seine ehemaligen Fraktionskollegen sagt der Landwirt: „Manche von denen sind zu allem fähig.“ Konkret geißelte er unter anderem die Reaktion von großen Teilen der Fraktion auf die Kritik der Präsidentin der israelitischen Kultusgemeinde, Charlotte Knobloch. Sie hatte der Partei während einer Gedenkstunde im Landtag vorgeworfen, „ihre Politik auf Haß und Ausgrenzung“ zu gründen und „nicht auf dem Boden unserer Verfassung“ zu stehen. Die Mehrzahl der Mitglieder der Fraktion verließ daraufhin unter Protest den Plenarsaal während Plenk sitzenblieb.

Den zwischenzeitlich geplanten Ausschluß des dem gemäßigten Lager zuzurechnenden oberbayerischen Gastwirts Franz Bergmüller aus der Fraktion nannte er „faschistoid“. Über seine mögliche neue politische Heimat bei den Christsozialen sagte er: „Wenn ich die CSU so anschaue, wäre ich da kein Rechtsaußen.“ Plenk hatte bisher die Fraktion gemeinsam mit der Niederbayerin Katrin Ebner-Steiner geführt. Ebner-Steiner hatte noch am Mittwoch beim Maibockanstich im Hofbräuhaus ein Selfie von sich und Plenk auf Facebook gepostet. Überschrieben war der Beitrag mit „Mia hoitn zam – Gemeinsam für unsere Heimat!“

Auf Nachfrage der JUNGEN FREIHEIT, ob mit Plenk noch einmal das Gespräch gesucht werden soll, sagte Ebner-Steiner: „Die Sache ist für mich erledigt.“ Reisende solle man nicht aufhalten. Gleichzeitig stellte Ebner-Steiner klar, daß sie den Abgang Plenks für einen Einzelfall hält. Sie erwarte keine weiteren Austritte.

Bergmüller: AfD muß zu ihren Wurzeln zurückkehren

Der bayerische AfD-Landtagsabgeordnete Franz Bergmüller bedauerte den Rückzug Plenks. Er vermutet, das Bekanntwerden von zwei Fraktionsmitarbeitern mit Berührungspunkten zur NPD, die dann entlassen wurden, hätten bei Plenk das Faß zum Überlaufen gebracht, wie er gegenüber der FAZ schilderte.

Er forderte seine Partei auf, „sich mit einer klaren Selbstreflexion“ mit Plenks Begründung auseinanderzusetzen. „Unsubstantiierte Gerüchte oder Simplifizierungen halte ich als Erwiderung nicht für geeignet. Ursachen und Wirkungen gilt es jetzt klar zu erkennen und dann zu handeln.“ Die Partei müsse jetzt darauf achten, „zu den Wurzeln der AfD, nämlich eine Partei der Mitte zu sein, die auch unangenehme Themen anspricht, zurückzukehren“. (tb/ls)

Der bisherige AfD-Fraktionsvorsitzende, Markus Plenk Foto: picture alliance/Matthias Balk/dpa

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