„Unfaßbare Übertreibung“

Aktion gegen „taz“: Identitäre Bewegung weist Vorwürfe zurück

BERLIN. Die Identitäre Bewegung Deutschland (IBD) hat Vorwürfe zurückgewiesen, sie habe Parteien und Redaktionsräume attackiert. „Von einem ‘Angriff’ oder einer ‘Attacke’ zu sprechen wegen ein paar Plakaten, einem Banner und einem abgeladenen Steinhaufen, stellt eine unfaßbare Übertreibung dar“, sagte der Regionalleiter Berlin-Brandenburg der IBD, Robert Timm, der JUNGEN FREIHEIT.

Zuvor hatte die taz mitgeteilt, eine ihrer Mitarbeiterinnen sei am Montag morgen zur Arbeit gekommen und habe die Gruppe daran hindern wollen, ein Plakat am Redaktionsgebäude anzubringen. „Daraufhin wurde sie gepackt und am Hals angegriffen.“ Mehrere Medien, darunter die Welt und der RBB, griffen dies auf und berichteten an prominenter Stelle darüber.

Video zeigt Vorfall

Die Mitarbeiterin habe die IBD-Mitglieder beleidigt, schilderte Timm. Anschließend habe sie eine Identitäre bedrängt. „Danach versuchte die Mitarbeiterin, einige Aktionsmaterialien und Flugblätter zu entwenden, woraufhin ich sie daran hinderte und leicht zur Seite schob.“

Ein Video des Vorfalls, das von der IBD auf Twitter veröffentlicht wurde, zeigt: Die taz-Mitarbeiterin reißt zunächst Plakate von der Glasfassade. Als sie versucht, eine rote Fahne von einem Steinhaufen zu entwenden, den die IBD-Mitglieder vor dem Gebäude plaziert haben, schiebt Timm die Frau zur Seite. Diese greift den Mann um den Hals, reißt an seinem Schal und schubst ihn weg. Anschließend gehen die beiden auseinander. Die Auseinandersetzung dauert nur wenige Sekunden. Die Plakate zeigten unter anderem den vor kurzem tätlich attackierten AfD-Bundestagsabgeordneten Frank Magnitz.

taz ändert Mitteilung: „Sie wurde am Oberkörper getroffen.“

Die taz änderte die Mitteilung auf ihrem Hausblog im Laufe des Montags. Nun steht: „Daraufhin wurde sie gepackt und am Oberkörper getroffen.“ In der entsprechenden Anmerkung am Ende des Textes ist zu lesen: „Wir haben das korrigiert: Es war ein Schlag auf die Brust.“ Die Berliner Polizei teilte mit, der Staatsschutz ermittle wegen Hausfriedensbruchs.

Die IBD hatte am Montag morgen deutschlandweit Redaktionsgebäude verschiedener Medien sowie Parteizentralen mit Plakaten gegen linke Gewalt beklebt. Betroffen waren unter anderem das ARD-Hauptstadtstudio und die Frankfurter Rundschau sowie Büros von SPD, Grünen und Linkspartei.

Der Berliner SPD-Fraktionschef verurteilte die Aktion scharf. „Die Angriffe auf politische und journalistische Einrichtungen im herzen Berlins durch eine rechtsextreme Clique sind widerlich und kriminell“, sagte er im radioBerlin 88,8. „Hier wurde eine rote Linie überschritten. Der Rechtsstaat wird sich mit allen Mitteln wehren. Die Pressefreiheit ist elementarer Bestandteil unserer Grundordnung“, ergänzte er im RBB.

IBD-Regionalleiter Timm hingegen kritisiert die teils hysterischen Reaktionen auf die Aktion sowie die Berichterstattung. „Während allein in der letzten Woche ein AfD Bundestagsabgeordneter brutal zusammengeschlagen und einem Aktivisten der Identitären Bewegung das Auto angezündet wurde, spricht man heute von vermeintlichen ‘Attacken‘, die lediglich mit Plakaten und Bannern symbolisch und friedlich das Problem linksextremer Gewalt und ihrer Fürsprecher thematisiert.“ Beim Brandanschlag auf das Auto eines IB-Mitglieds in Leipzig habe in den „Mainstreammedien“ hingegen „heuchlerisches Schweigen“ geherrscht. „Die Art und Weise der heutigen Berichterstattung über unsere Aktion bestätigt uns in unserer Kritik.“ (ls)

IBD-Aktion gegen linke Gewalt an „taz“- und ARD-Hauptstadtstudio-Gebäude Fotos: IBD

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