Alexander Gauland, Jörg Meuthen und Heinz-Christian Strache: „Schwesterpartei“ Foto: dpa / Facebook/Screenshot / JF-Montage
Nach Ibiza-Affäre

AfD-Chefs halten weiter zur FPÖ – Strache meldet sich per Video

BERLIN. Die AfD-Vorsitzenden Jörg Meuthen und Alexander Gauland haben bekräftigt, auch nach dem Ibiza-Video weiter an der Seite der FPÖ zu stehen. „Die FPÖ ist unsere Schwesterpartei und sie wird es bleiben“, sagte Meuthen laut der Nachrichtenagentur dpa am Donnerstag abend bei der abschließenden Wahlkampfveranstaltung zur EU-Wahl im sächsischen Görlitz.

Ähnlich äußerte sich Gauland. „Ich kann doch nicht das Fehlverhalten eines Menschen der Partei anlasten“, begründete der AfD-Chef die Entscheidung in der ZDF-Sendung „maybritt illner“. Er bezeichnete die Aufnahmen als „kriminelle Machenschaft“ und kritisierte die Veröffentlichung der heimlichen Mittschnitte.

Auch Meuthen wertete die Aussagen des früheren Vizekanzlers und FPÖ-Chefs Heinz-Christian Strache sowie des früheren Fraktionschefs Johann Gudenus als „sehr schweren Fehler“. Allerdings hätten die Beteiligten das sofort verstanden und umgehend die Konsequenzen gezogen.

Strache war nach der Veröffentlichung der Aufnahmen vom vergangenen Freitag von allen Ämtern zurückgetreten. Gudenus gab zudem seinen Parteiaustritt bekannt. In dem Video, das Ende Juli 2017 in einer Villa auf Ibiza aufgenommen worden war, unterhalten sich die beiden FPÖ-Politiker mit einer angeblichen Oligarchennichte und einem weiteren Mann über in Aussicht gestellte Staatsaufträge im Gegenzug für verdeckte Wahlkampfhilfe.

Die Berichterstattung darüber hatte zum Bruch der Regierungskoalition aus ÖVP und FPÖ geführt. Alle FPÖ-Minister traten aus Protest auf die Forderung von Kanzler Sebastian Kurz (ÖVP), der frühere Innenminister Herbert Kickl (FPÖ) müsse ebenso seinen Posten räumen, zurück. Kurz muß sich am Montag einem Mißtrauensvotum stellen.

Strache gibt sich in Video-Botschaft kämpferisch

Strache hat sich seither mehrfach mit kurzen Stellungnahmen auf Facebook zu Wort gemeldet. Er kündigte unter anderem an, seine Unschuld zu beweisen und die „Auftraggeber und Nutznießer“ der Aufnahmen aufzudecken. In einem Freitag früh veröffentlichtem Video sagte er, er sei „Akteur einer inszenierten Gesprächssituation“ geworden. „In dieser habe ich Gedankenspiele artikuliert, die dumm waren und insbesondere auf dem politischen Parkett völlig inakzeptabel wären.“

Keinem Politiker seien Fantasien fremd, „in denen er über Mittel und Wege nachdenkt, die politischen Ziele seiner Partei zu verwirklichen, Medienpopularität zu steigern und Verbündete in der Wirtschaft zu gewinnen“, ergänzte Strache.

Er äußerte sich auch zu Spekulationen über vermeintlich weitere Enthüllungen. „Anders als von einzelnen Medien behauptet, kann es auch kein weiteres, mich kompromittierendes Video- oder Ton-Material geben. Weder solches das Treffen auf Ibiza betreffend, noch solches, das davor oder danach entstanden ist.“ Außerdem sei die Behauptung, es gäbe Szenen, in denen er beim Drogenkonsum oder sexuellen Handlungen zu sehen sei, „absurd und schlicht diskreditierend“. Er erklärte überdies, bei der Staatsanwaltschaft Wien drei Anzeigen erstattet zu haben.

Derzeit stehen ein Wiener Anwalt und der Betreiber einer Sicherheitsfirma im Fokus der Öffentlichkeit. Sie sollen das Video auf Ibiza inszeniert haben. Als Lockvogel diente dazu unter anderem eine mögliche Schauspielerin, die sich als Nichte des russischen Milliardärs Igor Makarow ausgegeben hatte. Dieser hatte in der russischen Ausgabe des Magazin Forbes vor wenigen Tagen erklärt:„Es ist allgemein bekannt, daß ich das einzige Kind in der Familie war und dementsprechend keine Nichten habe.“ (ls)

Alexander Gauland, Jörg Meuthen und Heinz-Christian Strache: „Schwesterpartei“ Foto: dpa / Facebook/Screenshot / JF-Montage

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