Raubverlage
Wegen den Veröffentlichungen bei Online-Raubverlagen droht ein Ansehensverlust der Wissenschaft Foto: Pixabay gemeinfrei
„Fake Science“

Tausende Wissenschaftler veröffentlichten bei „Raubverlagen“

HANNOVER. In Deutschland haben über 5.000 Wissenschaftler ihre Arbeitsergebnisse bei scheinwissenschaftlichen Verlagen veröffentlicht. Forscher befürchten einen Ansehensverlust für die seriöse Wissenschaft. Denn auch Einrichtungen wie die Universität Hannover sind betroffen, berichten WDR, NDR und Süddeutsche Zeitung.

Die Betroffenen hätten ihre oftmals mit öffentlichen Mitteln finanzierten Beiträge in wissenschaftlich wertlosen Online-Zeitschriften veröffentlicht. Dazu träten die Verlage an die Fachleute heran, die unter dem Veröffentlichungsdruck der Fachwelt stünden. Gegen Geldzahlungen böten die Verlage Veröffentlichungsmöglichkeiten an.

Hintermänner sitzen in Südasien, der Golfregion, Afrika und der Türkei

Die dahinterstehenden Unternehmen aus Südasien, der Golfregion, Afrika oder der Türkei hielten ihrerseits keine wissenschaftlichen Standards bei der Publikation der Arbeiten ein. Die Ansprechpartner gaben demnach nur vor, die eingereichten Manuskripte vor der Veröffentlichung noch einmal wissenschaftlich zu prüfen, wie normalerweise üblich.

Stattdessen seien Studien binnen weniger Tage veröffentlicht worden. Das hätten Reporter von NDR, WDR und SZ durch eingereichte unwissenschaftliche Texte selbst überprüft.

Hochschulen waren ahnungslos

Betroffene Hochschulen in Deutschland erklärten, bislang seien ihnen diese Praktiken der sogenannten Raubverlage unbekannt gewesen. Der Rektor der Universität Bremen, Bernd Scholz-Reiter, sagte der ARD, zum Zeitpunkt der Veröffentlichung seiner Arbeiten, sei ihm das Vorgehen dieser Verlage unbekannt gewesen. Er verurteile diese Praxis.

Einige Wissenschaftler nutzten diese kritisierten Publikationsplattformen jedoch gezielt, um unseriöse eigene Ergebnisse zu veröffentlichen, für die sie sonst keine Abnehmer fänden. „Wenn das System hat und Leute nicht nur darauf reinfallen, sondern das nutzen, dann muß man das abstellen“, betonte der Göttinger Chemie-Nobelpreisträger Stefan Hell. (ag)

Wegen den Veröffentlichungen bei Online-Raubverlagen droht ein Ansehensverlust der Wissenschaft Foto: Pixabay gemeinfrei

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