Lars Steinke: Der JA-Vorsitzende von Niedersachsen steht nach Äußerungen über den Hitler-Attentäter Stauffenberg in der Kritik Foto: picture alliance/dpa
Äußerung über Hitler-Attentäter

Steinke: „Kann Heldenmythos um Stauffenberg nicht nachvollziehen“

BERLIN. Der wegen seiner Äußerungen zu Claus Schenk Graf von Stauffenberg in die Kritik geratene Vorsitzende der Jungen Alternative Niedersachsen, Lars Steinke, hat seine Wortwahl bereut. Den Hitler-Attentäter als „Verräter“ und Feigling“ zu bezeichnen, sei „zu harsch und zu überspitzt“ gewesen, sagte Steinke der JUNGEN FREIHEIT.

Dennoch sehe er das Attentat vom 20. Juli 1944 kritisch. „Das betrifft vor allem den späten Zeitpunkt 1944 und die Art der Durchführung“, erläuterte der JA-Funktionär. „Wenn es Stauffenberg allein um das deutsche Volk gegangen wäre, dann hätte er das Attentat schon früher begehen müssen – und nicht erst 1944. Und er hätte sich opfern müssen, um sicherzugehen, daß Hitler auch wirklich getötet wird. Das hat er aber, warum auch immer, nicht.“ Grundsätzlich sehe er den deutschen Widerstand aber nicht negativ, betonte Steinke. „Ich kann nur die Euphorie und den Heldenmythos um Stauffenberg nicht nachvollziehen.“

Ausschlußforderungen der Partei-Spitze

AfD-Chef Alexander Gauland hatte zuvor die Ausführungen Steinkes als „bodenlosen Schwachsinn“ verurteilt. Stauffenberg sei „ein Held der deutschen Geschichte“. Steinke habe sich mit seiner Kritik für die AfD disqualifiziert. „Er sollte ausgeschlossen werden“, forderte Gauland.

Ähnlich bewertete das auch AfD-Sprecher Jörg Meuthen: „Die Äußerungen des Herrn Steinke sind komplett inakzeptabel, offenbaren ein absurdes Geschichtsverständnis und haben in der AfD absolut nichts zu suchen.“

Auch der JA-Bundesvorsitzende Domian Lohr ging auf Distanz zu Steinke. Man müsse Stauffenberg nicht auf ein Podest stellen, sagte er. „Aber wer die völlig anwidernde Behauptung aufstellt, Stauffenberg wäre ein Feind und Verräter des deutschen Volkes, weil er den tatsächlichen größten Feind des deutschen Volkes, Adolf Hitler, ausschalten wollte, der hat in der AfD und der Jugendorganisation der Partei definitiv nichts verloren.“ Die JA werde deshalb über mögliche Konsequenzen in enger Rücksprache mit der Mutterpartei entscheiden.

Steinke läßt politische Konsequenzen offen

Steinke hielt sich auf Nachfrage der JF über seine politische Zukunft sowie sein Amt als Landesvorsitzender der JA in Niedersachsen zurück. Er wolle erst einmal mit den Verantwortlichen sowie der AfD-Führung das Gespräch suchen. Ein solches habe es bislang noch nicht gegeben. Und manche seiner Äußerungen seien von einigen Medien verkürzt dargestellt, beziehungsweise aus dem Zusammenhang gerissen worden.

Zudem habe es sich um eine private Diskussion auf seinem Facebook-Account gehandelt. „Ob ich Konsequenzen ziehe, und wenn ja, welche, kann ich zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht sagen. Darüber muß man in Ruhe reden und nachdenken.“ (krk)

Lars Steinke: Der JA-Vorsitzende von Niedersachsen steht nach Äußerungen über den Hitler-Attentäter Stauffenberg in der Kritik Foto: picture alliance/dpa

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