Bundesjustizministerin

Barley warnt nach Özil-Rücktritt vor Rassismus

BERLIN. Bundesjustizministerin Katarina Barley (SPD) hat anläßlich des Rückzugs von Mesut Özil aus der Nationalmannschaft vor wachsendem Rassismus gewarnt. „Es ist ein Alarmzeichen, wenn sich ein großer, deutscher Fußballer wie Mesut Özil in seinem Land wegen Rassismus nicht mehr gewollt und vom DFB nicht repräsentiert fühlt“, schrieb Barley auf Twitter.

Die Staatssekretärin für Bürgerschaftliches Engagement beim Regierenden Bürgermeister von Berlin, Sawasan Chebli (SPD), beklagte ebenfalls auf Twitter: „Daß Özil geht, ist ein Armutszeugnis für unser Land. Werden wir jemals dazugehören? Meine Zweifel werden täglich größer. Darf ich das als Staatssekretärin sagen? Ist jedenfalls das, was ich fühle. Und das tut weh.“

Özil hatte am Sonntag seinen Rücktritt aus der Nationalmannschaft bekanntgegeben und die Entscheidung mit der Kritik begründet, die er wegen seines Fotos mit dem türkischen Präsidenten Erdogan erhalten hatte. „Mit schwerem Herzen und nach langer Überlegung werde ich wegen der jüngsten Ereignisse nicht mehr für Deutschland auf internationaler Ebene spielen, so lange ich dieses Gefühl von Rassismus und Respektlosigkeit verspüre“, teilte Özil auf Twitter mit.

Özdemir kritisiert Özil

Unterstützung erhielt er für seine Entscheidung von türkischen Politikern. „Wir unterstützen die ehrenvolle Haltung unseres Bruders Mesut Özil von ganzem Herzen“, verkündete der türkische Sportminister, Mehmet Kasapoglu. Der türkische Justizminister Abdulhamit Gül gratulierte Özil dafür, daß er mit seinem Ausscheiden aus der deutschen Nationalmannschaft „gegen den faschistischen Virus“ sein schönstes Tor geschossen habe.

Kritisch hingegen äußerte sich der türkischstämmige Grünen-Politiker Cem Özdemir: „Mit dem Alleinherrscher Erdogan zu posieren, empfinde ich als respektlos denen gegenüber, die in der Türkei gegängelt werden oder willkürlich im Gefängnis sitzen. Respekt zolle ich nur Demokraten.“ Özil sei seiner Vorbildfunktion nicht gerecht geworden. „Es ist sehr bedauerlich, wie sich Özil jetzt äußert. Damit spielt er denen einen Steilpaß zu, die unsere Demokratie ablehnen hier wie dort.“

Die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Annette Widmann-Mauz (CDU), sagte, es sei gut, daß sich Özil endlich erklärt habe. „Bei allem Verständnis für die familiären Wurzeln, müssen sich Nationalspieler Kritik gefallen lassen, wenn sie sich für Wahlkampfzwecke hergeben.“ Diese berechtigte Kritik dürfe aber nicht in eine pauschale Abwertung von Spielern mit Migrationshintergrund umschlagen. (krk)

Bundesjustizministerin Katharina Barley (SPD) Foto: dpa

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