„Langzeitbeobachtung“

Linke Künstlergruppe soll Höcke ausspioniert haben

BORNHAGEN. Eine linke Künstlergruppe hat ein Holocaust-Mahnmal direkt vor dem Grundstück von AfD-Politiker Björn Höcke im thüringischen Bornhagen errichtet. Das Kollektiv „Zentrum für Politische Schönheit“ (ZPS) stellte 24 Stelen aus Pappmaché auf. Damit will die Gruppe auf eine Rede Höckes reagieren, der das Berliner Denkmal für ermordete Juden im Januar als „Denkmal der Schande“ bezeichnet hatte.

Mitglieder des ZPS wohnten nach eigenen Angaben seit fast einem Jahr Zaun an Zaun mit dem thüringischen AfD-Fraktionschef. „Wir wissen alles“, sagt Philipp Ruch Spiegel Online, zum Beispiel wann er Holz hacke, welche Verlage ihm Broschüren schickten, wie er mit seinen Anzügen umgehe. Das Material für die Stelen sei heimlich angekarrt worden.

Höcke soll vor Denkmal knien

„Gegen Nazis wenden wir nur Nazi-Methoden an“, rechtfertigt Ruch die spionageähnliche Beobachtung. Es gehe ihm darum, „daß Höcke im Januar viel geschichtspolitisches Porzellan zerbrochen hat“. „Wenn er vor dem Denkmal auf die Knie fällt und für die deutschen Verbrechen im Zweiten Weltkrieg um Vergebung bittet, wollen wir der Ernsthaftigkeit seiner Läuterung glauben.“

Dann werde der „zivilgesellschaftliche Verfassungsschutz“ vorerst wieder aufgelöst und es würden keine pikanten Details aus seinem Leben veröffentlicht. In einer Mitteilung bezeichnete das ZPS die Aktion als „die aufwendigste Langzeitbeobachtung des Rechtsradikalismus in Deutschland“.

YouTube löscht Account von ZPS

Die Videoplattform YouTube hat wenige Stunden nach der Veröffentlichung eines Videos zum Bau des Mahnmals den Account des ZPS gelöscht. Unter anderem wurde darin Höckes Haus in einer Luftaufnahme markiert. Mittlerweile ist der Film aber wieder online.

Das ZPS war in der Vergangenheit immer wieder mit Aktionen aufgefallen. Ende 2014 hatten Mitglieder mehrere Kreuze zur Erinnerung an Opfer er Berliner Mauer gestohlen. Später wurde bekannt, daß die Gruppe mit Steuergeldern unterstützt wurde. Zudem erhielten die Künstler Hilfe vom ebenfalls staatlich geförderten Maxim-Gorki-Theater. (ls)

ZPS: Ermittlungsverfahren wegen Bildung einer kriminellen Vereinigung gegen eine „Gruppierung von Aktionskünstlern“ Foto: dpa

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