Helmut Schmidt
Helmut Schmidt als Wehrmachtssoldat Foto: picture alliance / AP Photo
Wehrmachtsuniform

Bundeswehr-Uni entfernt Foto von Helmut Schmidt

HAMBURG. Die Helmut-Schmidt-Universität in Hamburg hat ein Foto des ehemaligen Bundeskanzlers Helmut Schmidt (SPD) abgehängt. Das Bild zeigt den Namensgeber der Bundeswehrhochschule in Wehrmachtsuniform, berichtet das Nachrichtenmagazin Focus unter Berufung auf Bundeswehrkreise. Ein Sprecher bestätigte dies auf Nachfrage der Bild-Zeitung: „Es ist richtig: Der Bereichsleiter hat die Studierenden gebeten, das Foto durch eine unmißverständlichere Darstellung zu ersetzen.“

Hintergrund sei eine Anweisung an Soldaten per E-Mail. Darin würden die Offiziere angewiesen, alle „Symbole der NS-Zeit, Wehrmachtsdevotionalien (vom Bajonett bis zum Wehrmachtsstahlhelm), Wehrmachtsbilder, Wehrmachtsattribute, Sinnsprüche mit Vergleichen/Beschreibungen oder Zitaten aus der NS-Zeit, sämtliche Gegenstände (jede Art von Darstellung), welche mit einer Sympathie/Verehrung der Wehrmacht in Verbindung gebracht werden könnten“, umgehend aus den Diensträumen zu entfernen.

Verteidigungsministerium weist Verantwortung zurück

Das Verteidigungsministerium wies gegenüber der JUNGEN FREIHEIT die Verantwortung für die Maßnahme zurück. „Es gab keine Weisung des Verteidigungsministeriums, konkret dieses Bild von Helmut Schmidt abzuhängen“, sagte ein Sprecher. Bei allen Entscheidungen über Wehrmachtsandenken lägen die Verantwortung und die Führsorgepflicht bei den Vorgesetzten vor Ort. Diese müßten entscheiden, ob die Bilder oder Andenken mit dem Traditionserlaß der Bundeswehr von 1982 vereinbar seien.

Laut Welt hing das Foto in einem schlichten, rahmenlosen Bildhalter im Wohnbereich der Universität. Schmidt ist darauf mit seiner Uniform als Wehrmachtssoldat zu sehen mit der Bildunterschrift „Leutnant Helmut Schmidt – 1940“. Nachdem das Foto abgehängt worden sei, stünde nun am selben Ort der Hinweis: „Dieses Bild ist auf dieser Wohnebene leider nicht verfügbar, da es Helmut Schmidt als Offizier in Uniform zeigt. Das Aufzeigen einer Gemeinsamkeit zwischen dem Namensgeber dieser Universität und den studierenden Offizieren und Offiziersanwärtern ist hier unerwünscht. Das tut uns leid.“

Bundeswehrinterne Untersuchung läuft

Der Generalinspekteur der Bundeswehr, Volker Wieker, hatte am 5. Mai angeordnet, alle Liegenschaften der Bundeswehr mit Blick auf das Traditionsverständnis zur Wehrmacht zu untersuchen. Hintergrund ist der Fall der Fürstenberg-Kaserne in Donaueschingen. Hier waren bei einer Inspizierung mehrere Wehrmachtsdevotionalien aufgefallen.

Ob bereits weitere Wehrmachtsandenken aus Kasernen entfernt wurden, und wenn ja, welche, wollte die Bundeswehr auf Anfrage der JF nicht mitteilen. Es handle sich um eine interne Untersuchung, deswegen würden die Ergebnisse zunächst intern erfaßt und bewertet, sagte ein Sprecher des Heeres. Im übrigen habe das Parlament in dieser Sache einen Informationsvorrang. (ls/krk)

Helmut Schmidt als Wehrmachtssoldat Foto: picture alliance / AP Photo

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