CSU-Wahlparty
Lange Gesichter auf der CSU-Wahlparty am 24. September in München
Bundestagswahl in den Ländern

Blaue Risse in der schwarzen Wand

Nicht nur das deutschlandweite Ergebnis der Bundestagswahl bietet Diskussionsstoff. Auch in den einzelnen Ländern wichen die Ergebnisse teilweise deutlich vom Bundestrend ab. In Sachsen konnte die AfD drei Direktmandate gewinnen. Auch konservative CDU-Politiker errangen Siege in ihren Wahlkreisen. Eine Übersicht:

Bayern:

Die CSU hat mit 38,8 Prozent im Freistaat ihr schlechtestes Wahlergebnis bei einer Bundestagswahl seit 1949 eingefahren. Dennoch gewann sie alle 46 Wahlkreise im Freistaat. Das hat zur Folge, daß Spitzenkandidat Joachim Herrmann nicht über die Landesliste in den Bundestag einziehen kann. Das beste Erststimmenergebnis holte Emmi Zeulner mit 55,4 Prozent in Karl Theodor zu Guttenbergs früherem Wahlkreis Lichtenfels-Kulmbach. Die AfD Bayern entsendet 14 Abgeordnete in den neuen Bundestag und stellt dort die zweitgrößte AfD-Landesgruppe nach NRW (15 Abgeordnete). Im Bezirk Niederbayern wurde sie ebenso zweitstärkste Kraft wie in CSU-Chef Horst Seehofers Heimatstadt Ingolstadt. Die Freien Wähler holten 2,7 Prozent und konnten damit in etwa ihr Ergebnis von vor vier Jahren halten.

Sachsen:

In Sachsen wurde die AfD mit 27 Prozent knapp stärkste Kraft vor der CDU (26,9 Prozent). Sachsen ist auch das einzige Bundesland, im dem die AfD Direktmandate holte. Im Wahlkreis Bautzen I siegte Karsten Hilse. In Görlitz gewann Tino Chrupalla das Direktmandat. Im Wahlkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge triumphierte die Parteivorsitzende Frauke Petry, die allerdings am Montag ankündigte, nicht Teil der neuen Fraktion werden zu wollen. Über die Landesliste schickt die Partei weitere acht Bewerber ins Parlament. Die konservative CDU-Abgeordnete Veronika Bellmann wurde direkt wiedergewählt. Erstmals hat in Sachsen mit Sören Pellmann ein Politiker der Linkspartei ein Direktmandat errungen. Pellmann gewann im Wahlkreis Leipzig II.

Baden-Württemberg:

Die CDU konnte in Baden-Württemberg alle Direktmandate gewinnen. Deutliche Verluste mußte dabei der bisherige Unionsfraktionschef Volker Kauder verkraften. Er verlor 14,8 Prozentpunkte. In Tübingen und Freiburg kamen die Grünen jeweils auf den zweiten Platz hinter der CDU. In Freiburg lag die unterlegene Grünen-Bewerberin Kerstin Andreae nur 2,3 Prozent hinter dem siegreichen CDU-Kandidaten. Das AfD-Ergebnis lag mit 12,2 Prozent in dem Land nur knapp unter dem Bundesdurchschnitt.

Thüringen:

In Thüringen konnte die CDU alle Direktmandate gewinnen, holte dabei aber nur 28,8 Prozent der Zweitstimmen. Die AfD wurde mit 22,7 Prozent zweitstärkste Kraft. Sie wird mit fünf Abgeordneten im Parlament vertreten sein.

Brandenburg:

In Brandenburg verpaßten sowohl Alexander Gauland (Frankfurt/Oder) als auch Saskia Ludwig, die zum konservativen Flügel der CDU gehört und im Wahlkreis Potsdam-Mittelmark antrat, ein Direktmandat. Anders als Gauland ist Ludwig aber nicht über die Landesliste ihrer Partei abgesichert. Die AfD wurde landesweit mit 20,2 Prozent zweitstärkste Kraft.

Hessen:

Unter den sechs Abgeordneten, die die AfD ins Parlament entsendet ist auch der frühere CDU-Bundestagsabgeordnete Martin Hohmann. Der konservative CDU-Politiker Hans-Jürgen Immer gewann das Direktmandat im Lahn-Dill-Kreis. Auch Klaus-Peter Willsch wurde im Wahlkreis Rheingau-Taunus-Limburg wiedergewählt.

Berlin:

Hier verpaßte Nicolaus Fest auf Platz 5 der AfD-Landesliste den Einzug in den Bundestag. Die Grünen konnten mit Canan Bayram in Friedrichshain-Kreuzberg das Direktmandat, das jahrelang Hans-Christian Ströbele innehatte, verteidigen. Es ist das einzige, das die Partei deutschlandweit holte. Von allen Berliner Wahlkreisbewerbern war Gregor Gysi mit 39,9 Prozent, die er in Treptow-Köpenick holte, am erfolgreichsten. Die SPD fuhr in der Hauptstadt ihr historisch schlechtestes Ergebnis ein.

Nordrhein-Westfalen:

Die engagierte konservative Christdemokratin Sylvia Pantel holte erneut das Direktmandat in Düsseldorf. Die AfD verpaßte in dem einwohnerstärksten Bundesland ein zweistelliges Ergebnis (9,4 Prozent). Hier fuhr sie auch im Wahlkreis Münster ihr bundesweit schlechtestes Wahlkreisergebnis ein (4,9 Prozent). Besonders stark schnitt in NRW mit 13,1 Prozent die FDP ab.

Saarland:

Das einzige Bundesland, in dem die libertäre Partei der Vernunft antrat. Sie holte hier gerade einmal 532 Stimmen.

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