Asylkrise

Zentralrat der Juden warnt vor Antisemitismus unter Flüchtlingen

MÜNCHEN. Der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland hat vor wachsendem Antisemitismus durch die Flüchtlingswelle gewarnt. „Die Flüchtlinge, die in so großer Zahl seit dem vergangenen Jahr bei uns Zuflucht suchen, kommen ganz überwiegend aus Staaten, die mit Israel tief verfeindet sind“, sagte Schuster am Dienstag abend in München laut Redemanuskript auf einer Veranstaltung der Katholischen Akademie Bayern.

Es gebe jetzt schon einen ausgeprägten Antisemitismus unter jungen Moslems in Deutschland. Dieser nehme durch die Asylsuchenden noch zu. „Wer mit einem solchen Feindbild groß geworden ist, legt es nicht einfach beim Grenzübertritt ab“, warnte der Zentralratspräsident.

Durch die Einwanderung befürchteten Juden in Deutschland beispielsweise mehr antisemitische Kundgebungen. Den Asylsuchenden, die Religionsfreiheit nicht aus ihren Herkunftsländern kennen würden, müsse klargemacht werden, „daß die Menschenwürde universell gilt, auch für Juden“, unterstrich Schuster.

Schuster warnte bereits in der Vergangenheit

Bereits im vergangenen November hatte Schuster gewarnt, die Flüchtlingsströme hätten zwei Seiten. Auf beide müsse geachtet werden. „Viele der Flüchtlinge fliehen vor dem Terror des Islamischen Staates und wollen in Frieden und Freiheit leben, gleichzeitig aber entstammen sie Kulturen, in denen der Haß auf Juden und die Intoleranz ein fester Bestandteil sind“, sagte er der Welt. Dies gelte nicht nur in Bezug auf Juden, sondern auch für die Gleichberechtigung von Frau und Mann oder den Umgang mit Homosexuellen.

Im Mai zuvor hatte der Zentralratspräsident allerdings betont, Deutschland habe wegen seiner Vergangenheit eine moralische Verpflichtung, Asylbewerber aufzunehmen. „Deutschland hat so viel Unheil über die Welt gebracht. Es steht bei so vielen Ländern tief in der Schuld – wir sind das letzte Land, das es sich leisten kann, Flüchtlinge und Verfolgte abzulehnen.“ (krk)

Zentralratspräsident Josef Schuster: Sorge vor wachsendem Antisemistimus Foto: picture alliance/dpa

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