Dublin-Abkommen

Hunderte Calais-Flüchtlinge könnten nach Deutschland kommen

BERLIN. Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf) rechnet mit hunderten Übernahmeersuchen von Asylsuchenden in Calais durch die französische Regierung. Hintergrund ist, daß sich viele der im illegalen Asyllager lebenden Einwanderer in Deutschland registrieren hätten lassen, berichtet die Rheinische Post unter Berufung auf nicht weiter genannte Behördenkreise.

Gemäß dem Dublin-Abkommen könnte die Regierung in Paris Deutschland bitten, die Einwanderer wieder aufzunehmen. Laut der Vereinbarung muß ein Asylverfahren in dem Staat abgewickelt werden, in dem sich die Person zuerst hat registrieren lassen. „In Kreisen deutscher Behörden geht man davon aus, daß etwaigen Ersuchen Frankreichs auch entsprochen werde“, heißt es in dem Bericht.

Betroffene können gegen Überstellung klagen

Die betroffenen Asylsuchenden hätten allerdings auch das Recht, vor einem französischen Gericht gegen die Überstellung zu klagen. Es gelte eine sechsmonatige Frist, in der eine Rückführung erfolgen müsse. Passiert dies nicht, wäre Frankreich für das Asylverfahren zuständig. Dem Bundesinnenministerium zufolge gebe es bislang keine gesicherten Erkenntnisse, ob sich in dem Lager in der nordfranzösischen Hafenstadt tatsächlich Asylsuchende befinden, die sich in Deutschlang registriert hatten.

Sollte es zu Übernahmen kommen, würden dem Blatt zufolge viele der Asylsuchenden nach Nordrhein-Westfalen weitergeleitet. „Es wundert mich, wenn Deutschland jetzt einen Teil der Flüchtlinge aus Calais aufnehmen sollte. Ich fände das falsch. Deutschland nimmt genug Flüchtlinge auf, und auch Frankreich muß seinen Beitrag leisten. Zumal die Franzosen sich umgekehrt geweigert haben, Flüchtlinge aus Deutschland aufzunehmen“, kritisierte der CDU-Landtagsabgeordnete Gergor Golland.

Räumung läuft seit Montag früh

Seit Montag früh räumen französische Polizisten das Camp. Im Laufe des Tages hatte rund ein Drittel der Bewohner das Lager verlassen. 1.918 Erwachsene wurden laut dem Innenministerium in Aufnahmezentren anderer Regionen gebracht. Rund 400 unbegleitete Kinder und Jugendliche seien in Container in Calais einquartiert worden.

Frankreichs Regierung hat unterdessen angekündigt, das Entstehen neuer, illegaler Asyllager zu verhindern. „Die Ordnungskräfte vor Ort werden Kontrollen durchführen, vor allem an den Bahnhöfen“, sagte der französische Innenminister Bernard Cazeneuve (Sozialistische Partei) laut der Nachrichtenagentur dpa. (ls)

Einwanderer in Calais: Viele haben sich in Deutschland registriert Foto: dpa

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